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Aachener Zeitung: Kommentar: Aberwitzig
Der Fußball-Transfermarkt dreht komplett durch /Thomas Thelen

Aachen (ots) - Der sich gestern abzeichnende Wechsel von Fußballprofi Kevin De Bruynes vom VfL Wolfsburg zu Manchester City für die aberwitzige Summe von bis zu 80 Millionen Euro ist der vorläufige Höhepunkt in einem absurden Spiel, das sich mehr und mehr hochschaukelt. Der Transfermarkt dreht durch. Da wird mit Zahlen jongliert, die unvorstellbar sind. Ausgerechnet in England, dem Mutterland des Fußballs, laufen die Dinge aus dem Ruder. Möglich machen es die TV-Einnahmen. Zum Vergleich: In der abgelaufenen Saison kassierten die Queens Park Rangers als Tabellenletzter der Premier League mit 86 Millionen Euro an Fernsehgeldern 36,6 Millionen Euro mehr als der Deutsche Meister Bayern München. Ab der kommenden Saison kann die Premier League mehr als drei Milliarden Euro pro Saison an ihre Vereine verteilen. Die Bundesliga kann da nicht mithalten. Und das ist gut so. Denn klar ist: Dauerhaft kann das so nicht weitergehen. Die Situation erinnert fatal an einen Börsencrash. Irgendwann wird die Blase platzen. Wohl dem, der dann solide gewirtschaftet hat. Interessanterweise zieht im Wechselpoker um De Bruyne mit dem VfL Wolfsburg ein Verein den Kürzeren, dem man selbst nachsagt, er werfe die Millionen zum Fenster raus. In der Tat kann sich der VfL mit Volkswagen im Rücken fast alles leisten - und so haben es die Wolfsburger auch lange Zeit gehalten. Doch mit der Verpflichtung von Sportdirektor Klaus Allofs im November 2012 scheint Augenmaß Einzug gehalten zu haben. Allofs ist einer, der weiß, dass man sich mit Geld allein keinen Champions-League-Titel kaufen kann. Dazu gehört mehr. Bis Manchester hat sich das noch nicht rumgesprochen. Es gibt genug Beispiele dafür, dass Spieler, die für Rekordsummen den Verein gewechselt haben, in der Versenkung verschwanden. Auch im Falle von De Bruyne würde das nicht verwundern. De Bruyne, der bei Manchester um die 20 Millionen Euro per Anno verdienen soll, schien in Wolfsburg alles zu haben, was ein Spieler zum Glück braucht. Einen guten Trainer, ein perfektes Umfeld, ein sehr gutes (!!!) Gehalt. Doch das reichte nicht. Bei Manchester wird der Druck enorm sein. Ob der Wohlfühlspieler dem gewachsen ist, bleibt abzuwarten. Niemand wünscht ihm ein Scheitern. Doch falls er es nicht packt, muss man kein Mitglied mit ihm haben. Das gilt auch für David Odonkor. Bei der WM 2006 in Deutschland bereitete er kurz vor Spielende mit einer Flanke von rechts das Siegtor gegen Polen zum 1:0 von Oliver Neuville vor. Und danach? Wechsel von Borussia Dortmund zum spanischen Erstligisten Betis Sevilla für eine Ablösesumme von 6,5 Millionen Euro. Wechsel von Sevilla zu Alemannia Aachen. Abstieg mit der Alemannia am Ende der Saison 2011/12 aus der Zweiten Liga. Wechsel zum ukrainischen Erstligisten Hoverla-Zakarpattya Uschhorod. Aktuell spielt er bei Sat 1 im "Promi Big Brother"-Haus. Der peinlich-tragische Abstieg eines talentierten Fußballers.

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