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Aachener Zeitung: Kommentar Sagen wir es mal so. Die SPD sagt nicht viel - zur Kanzlerkandidatur Bernd Mathieu

Aachen (ots) - Sigmar muss es machen. Sagen die einen. Wir entscheiden erst in zwei Jahren. Sagen die anderen. Viele sagen gar nichts und halten das für die beste Lösung. Wir lassen uns keine Personaldiskussion aufdrängen. Sagen wieder andere. Wir gewinnen gegen Merkel sowieso nicht. Sagen wenige, aber immerhin einige. Denen sagt man, dass sie das nicht sagen dürfen. Dabei täte die SPD gut daran, zum unbeliebten Thema mal etwas Konkretes zu sagen. Wenn sie vom SPD-Europaspitzenkandidaten Martin Schulz elementar Wichtiges lernen kann, dann die erfolgreiche und rechtzeitige Personalisierung des Wahlkampfes. Aber sie wartet lieber ab. Und das ist falsch. Die SPD und ihre Kanzlerkandidaten: ein oft trostloses Nachkriegskapitel. Erich Ollenhauer hatte 1953 und 1957 gegen den übermächtigen Konrad Adenauer ein deutliches Nachsehen. Mit Hans-Jochen Vogel, Johannes Rau, Oskar Lafontaine und Rudolf Scharping verheizten die Sozialdemokraten in den 80er und 90er Jahren gegen einen populären Helmut Kohl ein prominentes Verlierer-Quartett. Selbst der zurecht hoch geachtete Frank-Walter Steinmeier hatte 2009 nach vier Jahren großer Koalition keine Chance gegen Angela Merkel. 2013 musste Peer Steinbrück ran, weil es keine Alternative mehr gab - der traurige Gipfel sozialdemokratischen Personalmanagements. Die SPD-Kanzler Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder profitierten und nutzten völlig andere Voraussetzungen zum Sieg, drei unterschiedliche. Willy Brandt besaß trotz seines zögerlichen und introvertierten Wesens Ausdauer und Ehrgeiz. Sein Erfolg basierte auf zwei wichtigen Säulen: Er kandidierte erstmals 1961 mit dem Ziel, den alten Adenauer zumindest zu schwächen, was gelang. Die SPD verbesserte sich um 4,4 Prozent. Brandt gab nicht auf, legte 1965 gegen Ludwig Erhard weitere 3,1 Prozent zu. Zweite Säule: Als er 1969 unverdrossen zum dritten Mal antrat, nun mit dem Amtsbonus des Vizekanzlers und Außenministers, wurde er Sieger, weil der Gegner (Kurt-Georg Kiesinger, CDU) schwächelte und mit der FDP ein neuer Bündnispartner ins Boot stieg. Helmut Schmidt war nach Brandts Rücktritt bereits im Amt, als er zum ersten Mal in den Wahlkampf ziehen musste. Gerhard Schröder profitierte 1998 vom Überdruss nach der 16-jährigen Kanzlerschaft Kohls, der den richtigen Zeitpunkt des Abgangs verpasst hatte. Deshalb: Sigmar Gabriel ist Parteichef. Er kann kein zweites Mal kneifen, nur weil er Angst hat, gegen Angela Merkel zu verlieren und lieber 2021 die Kanzlerkandidatur vor dem Hintergrund ganz anderer Perspektiven beansprucht. Wenn er nicht kandidieren will, muss er es jetzt sagen; denn ein anderer Kandidat gewinnt 2017 nicht in wenigen Monaten genügend Profil, um wenigstens ein akzeptables Ergebnis zu erzielen. Angesprochen auf einen möglichen Kanzlerkandidaten Martin Schulz sagte Gabriel salopp, das spreche im Gegensatz zur Union, die nur Merkel zu bieten habe, für die personelle Vielfalt der SPD. Dieser Unsinn verdeckt nicht mal ansatzweise die derzeit herrschende Ratlosigkeit.

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