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Aachener Zeitung: Jeder muss entscheiden
Organspende: Es geht nicht nur um Information
Kommentar von Peter Pappert

Aachen (ots) - Viel zu wenige Menschen sind bereit, Organe zu spenden, viel zu viele sind verunsichert. Das Thema wird überschattet von mehreren Transplantationsskandalen. Deshalb sind die gestern veröffentlichten Empfehlungen des Ethikrats für mehr Transparenz, differenziertere Aufklärung und ärztliche Weiterbildung nur zu begrüßen. Indem der Ethikrat die schwierigen Fragen von Tod und Hirntod - auch in Mehrheits- und Minderheitsvoten - sehr differenziert behandelt, kann er Vertrauen schaffen, an dem es so eklatant mangelt. Der Ethikrat fordert, Angehörige intensiver zu beraten. Die Standards für Qualität und Sicherheit der Organtransplantation sind vor knapp drei Jahren bereits reformiert, Kontrollen verbessert worden. Das neue Transplantationsgesetz von 2012 hat die Kassen verpflichtet, ihre Mitglieder regelmäßig über Organspende zu informieren. Und nun widmet sich der Ethikrat auf 170 Seiten verschiedenen Aspekten des Hirntods und der Organentnahme. Es wird also viel getan; das ist nötig. "Jeder Mensch muss die Möglichkeit haben, seine individuelle Entscheidung zur Organspende auf der Grundlage hinreichender Informationen zu treffen", stellt der Ethikrat fest. Die entscheidende Frage ist jedoch, wie viele sich informieren lassen, sich damit beschäftigen und persönliche Konsequenzen ziehen wollen. Es kommt nicht nur auf medizinischen Sachverstand, ärztliches Ethos und ordentliche Gesetzesarbeit an. Es gibt Angelegenheiten, die lassen sich mit noch so viel deutscher Gründlichkeit und politischer Sorgfalt letztlich nicht regeln, weil jeder Einzelne gefragt ist. Mittlerweile mangelt es hierzulande weniger an Quantität und Qualität der Information, sondern mehr am Willen zur Information. Jeder muss sich selbst in die Verantwortung nehmen; die notwendige Gewissensentscheidung kann niemandem abgenommen werden. Jeder, der damit ringt, seine Organe im eigenen Todesfall schwerkranken Menschen zu überlassen, sollte sich zuvor eine andere Frage stellen: Was wünschst Du Dir, wenn Deine Mutter, Dein Kind oder Dein Bruder dringend auf ein Organ wartet, um zu überleben? Was möchtest Du, wenn nur ein Spenderorgan Dich vor dem Tod bewahren würde? Wer nichts regelt, dessen Angehörige werden im Ernstfall mit der Frage nach Organentnahme konfrontiert - in einer Situation, die für die Betroffenen ohnehin schlimm und aufwühlend ist. Wer vorher für Klarheit sorgt, kann den Ehepartner, seine Kinder, Geschwister oder andere nahe Verwandte von einer schweren emotionalen Bürde entlasten. Das geschieht am besten mit einer präzise abgefassten Vorsorge- und Betreuungsvollmacht - verbunden mit einer Patientenverfügung und einer Organspende-Erklärung.

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