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Gesetzliche Frist: 20 Prozent der Fachärzte wollen keine Termine mehr anbieten

Hamburg (ots) - Eine maximale Wartefrist von vier Wochen auf einen Termin beim Facharzt will Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe per Gesetz festschreiben. Auf große Veränderungen in den Praxen kann er dabei aber offenbar nicht hoffen: Der größte Teil der niedergelassenen Fachärzte kann oder will am Terminmanagement in der eigenen Praxis nichts ändern, wenn ein solches Gesetz kommt. Dies zeigt eine Umfrage im Ärztenetzwerk Hippokranet.

Demnach erklärten 71 Prozent der an der Befragung teilnehmenden Ärzte, dass sie in ihrer Praxis nichts ändern, wenn eine entsprechende Gesetzesregelung in Kraft tritt. Rund 20 Prozent der Fachärzte gaben sogar an, dass sie dann gar keine Termine mehr anbieten wollen - sondern nur noch offene Sprechstunden. Lediglich rund neun Prozent der 550 teilnehmenden Fachärzte wollen versuchen, das Terminmanagement in der eigenen Praxis zu ändern.

Auf die Frage nach der Länge der aktuellen Wartezeiten betonten 48,5 Prozent der Fachärzte, dass Patienten nach einer Hausarzt-Überweisung "sicher" einen Termin innerhalb von vier Wochen bei ihnen bekommen können. 31,1 Prozent können einen Termin in dieser Frist "meistens" anbieten. 14,4 Prozent wählten die Antwort "manchmal", 5,1 Prozent können "selten" innerhalb der vier Wochen einen Termin zusichern - 0,9 Prozent so gut wie nie.

Die Ablehnung der Gröhe-Pläne für eine gesetzliche Wartezeiten-Frist ist unterdessen groß: 95 Prozent der Ärzte halten eine solche Regelung für unsinnig. Auch haben sie großen Zweifel daran, dass es Sinn macht, Patienten an Kliniken weiterzuvermitteln, sollte ein Arzt keinen Termin innerhalb der vorgesehenen Frist bieten können: Rund 87 Prozent der teilnehmenden Fachärzte glauben nicht, dass die Kliniken überhaupt zusätzliche Kapazitäten dafür mobilisieren könnten.

Sollte es bei Terminproblemen trotzdem zu einer Weiterleitung von Patienten an die Kliniken komme, die dann nach Vorstellungen von Minister Gröhe für diese Behandlungen Geld aus dem Honorartopf der niedergelassenen Ärzte bekommen, ist Widerstand offenbar vorprogrammiert: Rund 87 Prozent der Befragten gaben an, dass sich die niedergelassenen Ärzte dann "energisch dagegen wehren" müssten, dass Geld in den Klinikbereich verschoben wird.

An der Online-Umfrage beteiligten sich 550 niedergelassene Fachärzte unterschiedlicher Fachrichtungen im Zeitraum vom 6. bis zum 9. Juni 2014.

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