Privatanleger sehen Schuldenkrise sehr pessimistisch
Auswirkungen der Krise auf sich erwarten nur wenige
Inflationsgefahren sehen Anleger so gut wie nicht
Börsenstimmung fällt auf ein Rekordtief

   

Frankfurt (ots) - Die deutschen Privatanleger sehen die weitere Entwicklung der europäischen Schuldenkrise sehr kritisch. Nahezu 60 Prozent von ihnen äußern sich in diesem Zusammenhang pessimistisch. Dagegen glaubt nicht einmal jeder Sechste daran, dass sich die Situation positiv entwickeln wird. Daher ist die Börsenstimmung der Privatanleger entsprechend schlecht. Sie ist auf ein neues Rekordtief gefallen. Nur noch jeder Fünfte erwartet, dass die Aktienkurse in den kommenden sechs Monaten steigen werden. Dies zeigt der neueste DZ BANK Anlegerindikator, für den TNS Infratest repräsentativ 1030 Privatanleger in Deutschland befragt hat. Überraschenderweise denken allerdings nur wenige der privaten Investoren, dass die Euro-Schuldenkrise auf ihre persönliche Situation durchschlagen wird. Auch Inflationsgefahren sieht das Gros der Anleger so gut wie nicht. Die Anlagepräferenzen haben sich trotz der deutlich eingetrübten Markteinschätzung jedoch kaum verändert.

Konkret schätzen in der aktuellen Umfrage 58 Prozent der Befragten die weitere Entwicklung der europäischen Schuldenkrise pessimistisch ein, wohingegen nur 16 Prozent ein zuversichtliches Statement abgaben. Ihre negative Meinung begründen die meisten Anleger damit, dass sie nicht glauben, dass die betroffenen Länder ihre Schulden abbauen können. Zudem bescheinigt der Großteil von ihnen den Politikern fehlende Problemlösungskompetenz. Drei Viertel der Pessimisten erwarten, dass der europäischen Gemeinschaft das Geld ausgehen wird, um den Krisenländern zu helfen. Dennoch - und das überrascht angesichts der sehr pessimistischen Aussagen - gehen rund zwei Drittel der Privatanleger davon aus, dass sich die Schuldenkrise nicht oder nur wenig auf ihre persönliche Situation auswirken wird. "Die europäische Schuldenkrise ist für die meisten Privatanleger zurzeit das Thema schlechthin. Je stärker diese in den Blickpunkt rückt, desto pessimistischer werden sie. Dies schlägt inzwischen extrem auf die Stimmung der Investoren durch", sagt Peter Schirmbeck, Leiter Privatkundengeschäft der DZ BANK.

So rechnet aktuell nur jeder fünfte Privatanleger mit steigenden Aktienkursen in den kommenden sechs Monaten. Rund 60 Prozent erwarten, dass die Risiken an den Märkten zunehmen werden. Damit ist die Markteinschätzung so pessimistisch wie noch nie seit Beginn der von der DZ BANK regelmäßig durchgeführten Umfrage seit Anfang 2008. Selbst in der Hochphase der Finanzkrise im Januar 2009 hatten die Anleger optimistischer in die Zukunft geblickt.

Kaum Inflationsängste

Die von Fachleuten immer wieder thematisierte Gefahr deutlich höherer Inflationsraten in Deutschland wird dagegen nur von den wenigsten Anlegern geteilt. Lediglich 14 Prozent glauben, dass dieses Szenario zutrifft. Über die Hälfte der Befragten erwarten dagegen in den nächsten Jahren lediglich leicht steigende Inflationsraten, und 29 Prozent prognostizieren sogar eine gleich bleibende oder sinkende Preissteigerung.

Anlagepräferenzen nur wenig verändert

Ähnlich zwiespältig wie in Sachen Euro-Krise äußerten sich die Privatanleger auch bei der Frage nach ihren persönlichen Anlagepräferenzen. Denn obwohl sich ihre allgemeine Markterwartung deutlich verschlechtert hat, halten sie im Vergleich zum Februar 2012 nahezu unverändert an diesen fest. Dies gilt auch für ihr Interesse an Aktien oder Aktienfonds. Wie im Winter sagten auch jetzt wieder 22 Prozent der Befragten, sie würden bei einer Geldanlage in den kommenden Monaten den Kauf von Aktienfonds in Betracht ziehen. Ein direktes Aktienengagement kommt für 18 Prozent in Betracht (Februar 2012: 21 Prozent). In der Hochphase der Finanzkrise war dieser Wert deutlich niedriger. Mit Abstand am häufigsten (69 Prozent) nannten die Anleger - wie bei allen bisherigen Umfragen - Tages- oder Festgeld als Investmentalternative. Auf Platz zwei der beliebtesten Investments bleibt Gold. Es ist wie bereits im Februar für deutlich über ein Drittel der Investoren eine Überlegung wert.

Interesse an Garantiezertifikate steigt deutlich

Ebenfalls stabil ist das Interesse an Zertifikaten. Jeder zehnte Befragte zieht die Papiere in seine Anlageüberlegungen mit ein. Deutlich sichtbar ist, dass für diese Investoren vor allem Sicherheitsaspekte zählen. Das zeigt sich insbesondere bei Garantiezertifikaten. Hätten im Februar noch 45 Prozent der potentiellen Zertifikate-Anleger über ein Investment in Zertifikate mit vollständigem Kapitalschutz nachgedacht, sind es aktuell 58 Prozent. Das Interesse an Bonuszertifikaten ist von 30 auf 40 Prozent geklettert. Dies dürfte vor allem auf die Teilschutz-Funktion dieser Produkte zurückzuführen sein.

Die Daten wurden in der Zeit vom 08. Juni bis 13. Juni 2012 im Rahmen einer telefonischen Umfrage von TNS Infratest erhoben. Die Stichprobe von 1030 ist repräsentativ für anlage-affine Personen in der deutschen Bevölkerung ab 18 Jahren.

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