Der Mittelstand boomt
Aktuelle Geschäftslage auf Rekordhoch
Zukunftserwartungen verbessert
Personalaufbau geplant
Angst vor Euro-Schuldenkrise geht zurück
Mittelstandsumfrage der DZ BANK

   

Frankfurt (ots) - Trotz der europäischen Schuldenkrise und der verhaltenen Wirtschaftsentwicklung in den vergangenen Monaten ist die Geschäftslage des deutschen Mittelstands so gut wie noch nie in den vergangenen 16 Jahren. Dies zeigt die Frühjahrs-Mittelstandsumfrage der DZ BANK unter 1.500 mittelständischen Unternehmen in Deutschland. In dieser bewerteten nahezu 90 Prozent der Befragten ihre aktuelle Geschäftslage positiv. Zudem schätzt der deutsche Mittelstand auch seine Aussichten deutlich besser ein als bei der vorangegangen Umfrage im Herbst vergangenen Jahres. Dies dürfte sich spürbar auf den Arbeitsmarkt auswirken. Denn jedes vierte mittelständische Unternehmen will in den kommenden sechs Monaten neue Mitarbeiter einstellen. Die Angst vor den Folgen der Euro-Schuldenkrise wiederum hat sich erheblich abgeschwächt.

"Der Mittelstand wird damit auch in diesem Jahr eine der Konjunkturlokomotiven Deutschlands bleiben und erheblich dazu beitragen, dass sich die deutsche Arbeitslosenquote weiter reduziert. Dies zeigen die Personalplanungen der Unternehmen", betont Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ BANK.

Konkret erklärten in der repräsentativen Umfrage 87 Prozent der befragten Unternehmen, ihre momentane Geschäftslage sei gut bzw. sehr gut. Lediglich 2,5 Prozent beurteilen ihre Situation als schlecht, und rund 11 Prozent schätzten sie als eher schlecht ein. Damit hat sich die Lageeinschätzung des Mittelstands gegenüber den bereits sehr guten Ergebnissen vom Herbst und Frühjahr vergangenen Jahres nochmals etwas verbessert und ist auf den höchsten Wert gestiegen, den die DZ BANK im Rahmen ihrer seit rund 16 Jahren regelmäßig durchgeführten Umfrage jemals gemessen hat.

Zurückzuführen ist der leichte Anstieg vor allem auf eine bessere Lagebeurteilung der Unternehmen aus dem Bereich Handel, Agrar und Ernährung - und damit von Unternehmen aus Branchen, die vom privaten Konsum abhängig sind. Über alle Sektoren hinweg zeigten sich zudem vor allem die großen mittelständischen Unternehmen mit über 200 Beschäftigten sehr zufrieden. Aktuell beurteilen 91 Prozent dieser Unternehmen ihre Situation positiv.

Deutlich verbessert haben sich zudem die Geschäftserwartungen des deutschen Mittelstands. Obwohl sich das Gros der Unternehmen bereits auf einem hohen Ausgangsniveau befindet, rechnen rund 37 Prozent damit, dass sich ihre Lage im nächsten halben Jahr verbessern wird. Demgegenüber gehen nur 10 Prozent von einer sich abschwächenden Geschäftsentwicklung aus. Der Saldo zwischen positiven und negativen Erwartungen liegt damit bei 27 Prozentpunkten. Damit schätzen die Unternehmen ihre zukünftige Geschäftsentwicklung deutlich besser ein als im langfristigen Durchschnitt und auch wesentlich optimistischer als noch vor sechs Monaten. Damals hatten 33 Prozent der Unternehmen damit gerechnet, dass sich ihre Geschäftslage verbessern wird, und18 Prozent waren von einer sich verschlechternden Situation ausgegangen.

Jedes dritte mittelständische Unternehmen baut Personal auf

Insgesamt gehen aktuell 26 (Herbst 2011: 23) Prozent der deutschen mittelständischen Unternehmen davon aus, dass sich die Zahl ihrer Mitarbeiter in den nächsten sechs Monaten erhöht. Dagegen rechnen lediglich 7 (Herbst: 8) Prozent mit einem sinkenden Personalbestand. Der Saldo der Beschäftigungserwartungen - also die Differenz zwischen den Unternehmen, die Personal aufbauen wollen, und denjenigen, die einen Mitarbeiterabbau erwarten - liegt damit bei 19 Prozentpunkten. Im langfristigen Vergleich ist dies ein weit überdurchschnittlicher Wert. Besonders zuversichtlich zeigen sich aktuell die Unternehmen aus der Metall- und der Elektroindustrie. Nahezu ein Drittel von ihnen rechnet mit einem steigenden Personalbestand. Den größten Anstieg beim Saldo der Beschäftigungserwartungen wiederum verbuchte das Baugewerbe. Hier macht sich offensichtlich die Sonderkonjunktur am Bau positiv bemerkbar.

"Die Ergebnisse der Mittelstandsumfrage bestätigen unsere Konjunkturprognose", sagt Bielmeier. "Nach dem recht schwachen ersten Quartal wird sich die Wirtschaftsentwicklung voraussichtlich wieder beschleunigen. Wir bleiben deshalb bei unserer Einschätzung, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2012 im Jahresdurchschnitt um 1,4 Prozent wachsen wird."

Mehrheit im Mittelstand rechnet damit, dass Deutschland die Euro-Schuldenkrise gut übersteht

Dass die europäische Schuldenkrise ihren Schrecken für den deutschen Mittelstand verloren hat, zeigt ein anderes Ergebnis der Umfrage. Danach glauben aktuell nur noch rund 12 Prozent der Unternehmen, dass die Schuldenkrise zu schweren wirtschaftlichen Verlusten in Deutschland führen wird. Im Herbst 2011 waren es dagegen noch 17 Prozent gewesen. Die Zahl derjenigen, die davon ausgehen, dass Deutschland wirtschaftlich stark und stabil sei und die Schuldenkrise gut überstehe, ist dagegen von damals 43 auf jetzt 52 Prozent gestiegen.

Noch optimistischer geben sich die Unternehmen im Hinblick auf ihre eigene Situation. Lediglich 9 Prozent von ihnen erwarten, dass sie in der nächsten Zeit stark bis existenzbedrohend von der Schuldenkrise betroffen sein werden. Dagegen rechnen zwei Drittel damit, dass sie die Schuldenkrise "eher gering" betrifft, und ein rundes Viertel geht sogar davon aus, dass diese keine Folgen auf ihr Geschäft haben wird. Dies überrascht auch deshalb, da der Umsatzanteil, den die deutschen mittelständischen Unternehmen im EU-Ausland erzielen, recht hoch ist. Immerhin drei Viertel aller Befragten sind dort geschäftlich aktiv.

Über ein Viertel aller Umfrageteilnehmer erzielen mehr als 20 Prozent ihres Umsatzes in diesen Staaten. Bei jedem zehnten Unternehmen liegt dieser Anteil sogar bei über 40 Prozent. Zudem gaben mehr als 40 Prozent der im EU-Ausland aktiven Unternehmen an, Geschäftsbeziehungen nach Spanien zu haben, das aktuell im Zentrum der Euro-Schuldenkrisendebatte steht. Über die Hälfte von ihnen sind zudem in Italien engagiert.

"Dass die überwiegende Mehrheit der Unternehmen erwartet, von der Staatsschuldenkrise nur wenig oder gar nicht betroffen zu sein, lässt sich vor allem auch durch die herausragende Bedeutung des Heimatmarktes für den Mittelstand erklären", erläutert Hans-Theo Macke, der für das Mittelstandgeschäft zuständige Vorstand in der DZ BANK. "In Deutschland sorgt insbesondere die stabile Nachfrage der privaten Haushalte dafür, dass die mittelständischen Unternehmen etwaige Umsatzeinbußen aus dem Geschäft mit weniger stabilen europäischen Mitgliedstaaten zumindest teilweise kompensieren können. Zudem stellen sich die Unternehmen auch im Ausland neu auf und legen den geschäftlichen Fokus verstärkt auf die Regionen außerhalb der EU."

Asien wird für den Mittelstand immer wichtiger

Im Blick haben die Unternehmen dabei vor allem die aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens. So ist China inzwischen für 30 Prozent der der deutschen Mittelständler von Bedeutung, dicht gefolgt von Südostasien (29 Prozent). Im Frühjahr 2011 hatten lediglich jeweils 24 Prozent der Befragten diese beiden Regionen als strategisch bedeutsame Zielzonen genannt. Damit sind sie für den deutschen Mittelstand wichtiger als die USA. Führend im Asienengagement sind naturgemäß die großen Mittelständler mit mehr als 200 Beschäftigten. 38 Prozent von ihnen betrachten China als eine bedeutende Zielregion. Auffallend ist allerdings, dass sich inzwischen auch die kleinen Mittelständler verstärkt nach Asien orientieren. Immerhin 20 Prozent der Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten sagten, China sei eine bedeutende Zielregion für sie. Vor einem Jahr waren lediglich 12 Prozent dieser Ansicht. Aktuell sind es bereits 17 Prozent der kleinen Mittelständler, die dem asiatischen Raum einen hohen Stellenwert einräumen.

Die Daten wurden in der Zeit vom 1. bis zum 20. März 2012 im Rahmen einer telefonischen Umfrage von Utilitas GmbH, Darmstadt, und nhi2 AG, Bonn, erhoben. Die Stichprobe von 1.500 ist repräsentativ; befragt wurden Inhaber und Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen in Deutschland.

Pressekontakt:

Sylke Grußendorf, Pressesprecherin der DZ BANK AG
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