Trierischer Volksfreund: Bilanz deutsche Bischofskonferenz - Kommentar, Trierischer Volksfreund, 22.02.2013

Trier (ots) - Wer den deutschen katholischen Bischöfen Untätigkeit, Unbeweglichkeit oder Übleres vorhalten und den Stab über sie brechen möchte, sollte bedenken, unter welchen Bedingungen sie in Trier zusammengekommen sind. Erstens: Das war ein turnusgemäßes Treffen, wie es zweimal im Jahr ansteht, - mehr nicht. Zweitens: In den großen Streitfragen - Weihe von Frauen, Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, Zölibat - geht ohne Rom gar nichts. Was die Oberhirten also nur leisten können, ist: Themen anpacken, sich beraten, diskutieren, streiten - und Position beziehen. Das haben sie in Trier getan.

Was dabei herausgekommen ist, mag wenig sein, aber es ist mehr als nichts.

Dabei ist die Klarstellung, dass die katholische Kirche Frauen nach einer Vergewaltigung die Pille danach nicht verwehrt, keine Errungenschaft, auf die die Bischöfe stolz sein könnten. Vielmehr wäre ohne dieses klare Wort nicht mehr zu erkennen gewesen, wie sich die Kirche überhaupt noch um Menschen kümmern will. Sich in der Nachfolge Jesu Christi um die Menschen kümmern: Das ist nämlich eine ureigene Aufgabe, an der die Kirche dieser Tage zu scheitern droht und an der sich die Bischöfe als Oberhirten messen lassen müssen.

Das einst von Jesus gebrachte Gleichnis vom guten Hirten ist ziemlich präzise: Wenn ein Schaf verloren geht, lässt dann nicht ein guter Hirt seine Herde zurück und ruht so lange nicht, bis er das eine, verlorene Schaf wiedergefunden hat? Sich so zu bemühen - etwa um wiederverheiratete Geschiedene, die von der Kirche bislang vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen sind: Das wäre ein lohnendes Thema für die Bischöfe auch in Trier gewesen. Doch da bleiben die Hirten stumm und gehfaul bei der Herde oder lassen gar, anstatt zu suchen, zu locken und zu kirren, zusätzlich noch den Hund los. Kein Hoffnungszeichen also, auf das viele geschiedene Katholiken warten.

Und noch mehr "Schafe": die Frauen in der Kirche, denen die kirchlichen Weihen verwehrt sind. Hier bringt wenigstens - hört, hört! - der deutsche Kurienkardinal Kasper aus Rom die Idee mit, spezielle Weiheformen für Frauen zu finden. Da wagen sich die Bischöfe auf der abgeschotteten kirchlichen Alm ein Stückchen weit vor. Bemerkenswert: Das Problem ist erkannt, und es gibt erste Bemühungen, ihm abzuhelfen. Die Hirten sind also nicht herzlos - aber hilflos. Sie sind Hirten mit Handikap, weil sie einerseits in der Frage ohne Rom nichts unternehmen können und andererseits erst einmal in den eigenen Reihen einen Konsens finden müssen. Durchaus möglich, dass etliche Bischöfe zu weit mehr bereit sind - aber (noch) von den mächtigeren Hardlinern zurückgepfiffen werden. Da muss man als Katholik wohl weiter beten und auf den versprochenen Beistand hoffen - den Heiligen Geist. Der weht nach kirchlicher Überzeugung unablässig - und speziell auch dann, wenn ein neuer Papst gewählt wird.

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