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Trierischer Volksfreund: Der Krise entrückt - Leitartikel Trierischer Volksfreund, 29.11.2010 zum Nordkoreakonfklikt

Trier (ots) - Die Zuspitzung der Korea-Krise wirft auch ein Licht auf die Qualität der amerikanischen Außenpolitik seit dem Amtsantritt von Barack Obama. Am Wochenende schien der US-Präsident nicht sonderlich berührt von den Möglichkeiten, dass der Konflikt zwischen den Nachbarn unter Beteiligung Washingtons zu einer umfangreicheren militärischen Auseinandersetzung wird - er widmete gleich zwei Tage dem Sportvergnügen und holte sich beim Basketball eine blutige Lippe. So etwas droht - im übertragenen Sinn - nun auch im Gelben Meer. Doch wie reagiert der Oberkommandierende der Supermacht? Mit Krisensitzungen, diplomatischen Sondermissionen oder Anrufen mit dem roten Telefon in Peking? Nein, mit Turnhallen-Aktionen und Familienausflügen. Wie schon bei anderen Mega-Herausforderungen seiner Amtszeit - wie der Ölkrise im Golf von Mexiko - wirkt der außenpolitische Novize Obama zunächst seltsam entrückt und desinteressiert. Und in seinem Berater- und Ministerstab ist - pardon, Hillary Clinton - niemand vom Schlage eines Henry Kissinger erkennbar, der auf dem internationalen Parkett überzeugend den Ton angeben kann. Dabei ist jetzt der Zeitpunkt, den Chinesen ganz massiv klar zu machen, was das Gebot der Stunde ist: Größtmöglichen Druck auf die Freunde in Pjöngjang und keine erneute Flucht in die Sechs-Parteien-Gespräche oder Diplomaten-Wischiwaschi, mit denen die Provokationen Nordkoreas bisher nur belohnt - und motiviert - worden sind. Gleichzeitig macht die Krise noch einmal klar, wie amateurhaft Barack Obama auch sein hehres Ziel angeht, die Welt von der Bedrohung durch Atomwaffen zu befreien. Weil es der verführerisch einfachere Weg schien, fixierte Obama sich auf das START-Nachfolgeabkommen mit Moskau. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit eines Krieges zwischen den USA und Russland gleich null, und das Nukleararsenal des Kreml würde wegen der hohen Kosten in den nächsten Jahren ohnehin verringert werden. Die wirkliche Gefahr für den Westen sind jedoch die atomaren Ambitionen von Staaten wie Iran oder eben Nordkorea - und die mögliche Weitergabe von Bomben an Terrorgruppen. Doch eine solche strategische Neuausrichtung der Politik Barack Obamas ist bisher nicht erkennbar.

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