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Super 7: Die Hoffnungsträger der Öffentlich-Rechtlichen 2014

Köln (ots) - Wer kann ARD und ZDF entscheidend nach vorne bringen - egal ob vor oder hinter der Kamera? Eine sechsköpfige Jury des Medienmagazins DWDL.de hat in einem Ranking die sieben Hoffnungsträger der Öffentlich-Rechtlichen im Jahr 2014 gekürt.

Die Personen in diesem "Super 7"-Ranking vermitteln das Bild eines modernen öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Jahr 2014 besonders überzeugend. Indem sie aktiv zur erwünschten Verjüngung beitragen. Indem sie Strategien und Konzepte entwickeln, die mutig nach vorn gerichtet sind, statt nur den zunehmenden Bedeutungsverlust zu verwalten. Indem sie mehr als nur einen Hoffnungsschimmer auf die Zukunft von ARD und ZDF werfen. Für das Ranking hat das Medienmagazin DWDL.de Entscheider der verschiedenen Hierarchieebenen genauso unter die Lupe genommen wie programmprägende Köpfe, die der Zuschauer vom Bildschirm kennt. Aus einer Shortlist der größten ARD- und ZDF-Hoffnungsträger 2014 hat dann die Jury des Medienmagazins DWDL.de - bestehend aus den Journalisten Hans Hoff, Alexander Krei, Thomas Lückerath, Uwe Mantel, Peer Schader und Torsten Zarges - die finalen "Super 7" gewählt. Und hier sind sie, die Hoffnungsträger der Öffentlich-Rechtlichen 2014:

Platz 7: Bjarne Mädel, 45, Schauspieler

Komödiant und Denker in einer Person, bei dem es alles andere als Zufall ist, dass er in mehreren der besten deutschen TV-Serien des noch jungen Jahrtausends dabei ist. Jemandem wie ihm müssten ARD-Hierarchen die Füße küssen für Programmperlen wie "Der Tatortreiniger" und "Mord mit Aussicht". Tun sie aber nicht, sondern werfen der vermeintlich schrägen Ware und ihrem Protagonisten lieber Steine dazwischen. Das macht Mädel zum leidenschaftlichen Mahner, der den Anstalten öffentlich die Leviten liest. Und sagt, was gesagt werden muss. "Da loben sie dich und nehmen dir gleichzeitig die Wurst vom Brot", begründete Mädel in der "SZ" seinen Ausstieg aus dem Sender-seitig vernachlässigten "Mord mit Aussicht". Immerhin scheint der NDR aufzuhorchen, nachdem Mädel einen pfleglicheren Umgang mit dem "Tatortreiniger" forderte. Man will nun über neue Folge reden. Was zu beweisen war: Solche Akte der Disziplinierung können der ARD nur gut tun.

Platz 6: Christine Strobl, 42, Geschäftsführerin der ARD Degeto

Für viele Fiction-Produzenten war sie bereits eine Hoffnungsträgerin, als sie den Chefsessel der ARD-Filmtochter übernahm. Ehe sie jedoch eigene Wegmarken setzen konnte, mussten massig Altlasten aus der Jurgan-Ära abgetragen werden. Wenn Degeto-Chefin Strobl heute Aufträge für den Süßstoff-Freitag im Ersten vergibt, kommen viel mehr verschiedene Produktionsfirmen zum Zug und auch die Inhalte dürfen vielfältiger sein. Nicht mehr nur kitschige Liebesgeschichten vor Sonnenuntergang sind gefragt, sondern tiefgründigere Figuren, Themen von gesellschaftlicher Relevanz und höheres Erzähltempo. Das freut alle außer Christine Neubauer. "Origineller und wahrhaftiger" wünscht Strobl sich ihren künftigen Output - und hat erkannt, dass nur so eine behutsame Verjüngung möglich ist. An den anspruchsvolleren Mittwochsfilmen im Ersten wird sich Strobls Degeto fortan deutlich häufiger als finanzstarker Koproduzent beteiligen.

Platz 5: Daniel Fiedler, 47, Leiter der ZDF-Redaktion "Kultur Berlin"

Man muss schon ziemlich widerstandsfähig und auch ein bisschen verrückt sein, wenn man eine Spielwiese wie ZDFkultur innerhalb der großen Lerchenberg-Farm kultivieren will. Kein Job für viele, aber einer für Fiedler. Der frühere 3sat-Koordinator und noch frühere Schauspiel-Dramaturg verblüffte mit dem progressivsten aller öffentlich-rechtlichen Digitalkanäle drei Jahre lang jene jungen Anspruchsvollen, die von ARD und ZDF schon lange nichts mehr erwartet hatten. Resonanz und Erregung standen etwa bei "Roche und Böhmermann" im umgekehrt proportionalen Verhältnis zur Reichweite. Doch höhere medienpolitische Würfelspiele, denen ZDFkultur zum Opfer fiel, brachten Fiedler Anfang 2013 einen neuen Job ein. Als Leiter der Plattform-Redaktion "Kultur Berlin" musste er mehrere bislang eigenständige Redaktionen wie "aspekte" oder "Das blaue Sofa" fusionieren. Das tat er mit Fingerspitzengefühl und kulturellem Sendungsbewusstsein. Mit dem verlängerten und runderneuerten "aspekte" holt er den 49 Jahre alten Magazinklassiker jetzt aus dem Elfenbeinturm.

Platz 4: Bernhard Gleim, 62, Leiter der NDR-Redaktion Serie

Jawohl, Hoffnungsträger fürs öffentlich-rechtliche System kann man auch noch in den letzten Jahren vor der unvermeidlichen Pensionierung sein. Im Kopf war der allseits geschätzte Fiction-Ermöglicher ohnehin stets jünger als das Gros der Anstaltshierarchen. Es kann kein Zufall sein, dass Gleim einst "Berlin Berlin" und "Türkisch für Anfänger" verantwortete - jene ARD-Vorabendserien, die nicht nur zahlreiche Preise holten, sondern auch heute noch in jeder Diskussion darüber auftauchen, wieso die Öffentlich-Rechtlichen irgendwann den Anschluss ans moderne, mitreißende serielle Erzählen verloren haben. Das war zu einer Zeit, als der ARD "der Spagat zwischen kommerzieller Hingabe und öffentlich-rechtlicher Contenance" noch gelang, um Gleims stets überlegte Wortwahl zu zitieren. Mit beispielhafter Beharrlichkeit arbeitet er daran, diesem Idealzustand immer wieder so nah wie möglich zu kommen. Mit dem "Tatortreiniger" zum Beispiel, für dessen abstruse Programmierung er freilich nicht verantwortlich ist.

Platz 3: Stephan Denzer, ZDF-Teamleiter Kabarett & Comedy

Was die ARD noch vor sich hat, ist dem ZDF in den vergangenen fünf Jahren bemerkenswert gut gelungen: die Erneuerung und Ausweitung der öffentlich-rechtlichen Paradedisziplin Satire. An vorderster Front steuert Stephan Denzer, selbst leidenschaftlicher Stand-up-Comedian, die Mainzelmänner durch das Minenfeld zwischen (altbackenem) Kabarett und (oberflächlicher) Comedy und findet fast immer den richtigen Weg. So konnten die "heute-show" und "Pelzig hält sich" gedeihen, mit der neuen "Anstalt" steht nun ein viel versprechender Relaunch der Kabarettshow "Neues aus der Anstalt" vor der Tür. Es sind nicht nur die zündenden Ideen am Anfang eines solchen Projekts, von denen Denzer etliche beizusteuern hat, sondern - vielleicht noch wichtiger - das kontinuierliche Rücken freihalten, das die Kreativen unabhängig von Querschlägen aus Politik oder Gremien ihr Bestes geben lässt. Nie war das wertvoller als in Zeiten der GroKo.

Platz 2: Tom Buhrow, 55, WDR-Intendant

Sein Lächeln hat schon manchen zu Fehlschlüssen verleitet. Wer den neuen Boss der größten ARD-Anstalt von Anfang an in eine Schublade stecken wollte - vorzugsweise die des naiven, harmlosen Kommunikators -, der kam schon wenige Monate nach seinem Amtsantritt in Schwierigkeiten. Schonungslos wie kein zweiter amtierender Intendant legte Buhrow die finanzielle Misere offen, in die sich der WDR über Jahrzehnte qua überbordender Struktur hineinmanövriert hat. Und dann setzte der Ex-Anchorman, der die Liebe mitbringen wollte, auch noch Privatradio-Managerin Valerie Weber gegen erhebliche Widerstände als neue Hörfunkdirektorin durch. Warum das alles? Weil er den WDR offenbar wirklich liebt und ihn daher retten will. Macht Buhrow seine Ankündigungen und Einschnitte wahr, lässt sich in Köln womöglich prototypisch beobachten, wie eine zukunftsfähige öffentlich-rechtliche Sendeanstalt entsteht. Laute Aufschreie sind angesichts schmerzhafter Kürzungen vorprogrammiert. Der vermeintliche Strahlemann wird sich als kluger, kommunikativer und knallharter Manager beweisen müssen.

Platz 1: Jan Böhmermann, 32, Moderator und Produzent

Was das Medium kann, wenn es nur will, führt keiner so kompromisslos vor wie der Gastgeber des "Neo Magazin". Irgendwo zwischen Satire, Dadaismus und Unterhaltung mit Haltung weist Jan Böhmermann der digitalen Generation den Weg ins Zweite Deutsche Internet - und einer kleinen, aber feinen Minderheit auch ins lineare ZDFneo. Dort erlebt der geneigte Viewser etwa die ultimative popkulturelle Replik auf die NSA-Affäre: In seiner Rubrik "Prism is a Dancer" durchleuchtet Böhmermann die Social-Media-Profile seines Studiopublikums. Mit der schelmischen Überinszenierung der zwischenzeitlichen Böhmermann-vs.-Böhmermann-Kampfprogrammierung auf EinsPlus ("LateLine") und ZDFneo entblößte er die Abgründe der öffentlich-rechtlichen Spartenstrategie. Als Produzent steht Böhmermann mit seinem Team der Firma btf für eine selten gewordene Einstellung dem Fernsehen gegenüber: Gemacht wird nur das, woran die Macher glauben, und zwar aus tiefstem Herzen. ARD und ZDF wären gut beraten, Programm aus diesem Nukleus nachzulegen.

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Thomas Lückerath
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