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Baubranche überwindet kontinentale Grenzen
Deloittes European M&A Construction Monitor zeigt Internationalisierung der Deals

München (ots) - Der Deloitte European M&A Construction Monitor 2014 zeigt: Übernahmen in der Bauindustrie waren 2014 ähnlich häufig wie im Vorjahr. Während sich der Anzahl der Deals gegenüber den Vorjahren kaum veränderte, ist auffällig, dass hierbei die Anzahl der Cross-border Deals und sogar der kontinentalübergreifenden Deals, beispielsweise in den USA oder Kanada anstieg. Die Branche ist zunehmend attraktiv für Private-Equity-Häuser, die sich immer stärker an Übernahmen beteiligen. Im Fokus der Unternehmen liegt weiterhin die Diversifizierung ihrer Aktivitäten. Herausforderungen für die europäische Bauindustrie sind der steigende Preisdruck bei Personal und Material, rückläufige Margen und Cash-Flows sowie die Lieferkettenoptimierung. In Deutschland liegt das Transaktionsvolumen unter dem europäischen Schnitt und die einheimischen Firmen versuchen vor allem, Wettbewerbsvorteile in lokalen Märkten auszubauen.

"Die Baubranche ist verstärkt international tätig und kann so auf die instabile Situation in Europa reagieren. Dabei müssen nicht nur Landes-, sondern auch kontinentale Grenzen überwunden werden. Ein gutes Beispiel hierfür sind Bouygues Energies & Services aus Frankreich, die 85 Prozent der Anteile der auf Electronical und Electrical Engineering spezialisierten Plan Group in Kanada gekauft haben", kommentiert Michael Müller, Partner und Leiter Real Estate bei Deloitte.

Die Transaktionsvolumina der M&As steigen an

Für das Jahr 2014 werden in etwas so viele Deals wie in 2012 (126) und 2013 (139) erwartet. Die Transaktionsvolumina werden aber wieder größer und der durchschnittliche Transaktionswert ist seit 2011 konstant von 94 Millionen EUR über 281 Millionen EUR 2012 bis hin zu 359 Millionen EUR im Jahr 2013 gestiegen. Hierbei liegt der Trend in der Diversifizierung (add on deals): Firmen wie Flughafen-, Mautsystem- und Parkplatzbetreiber sind stärker im Visier der Bauunternehmen, um die Abhängigkeit von dem margenschwachen Baugeschäft zu reduzieren. Daneben werden Unternehmen übernommen, um sich weiter im Baubereich zu spezialisieren und um das Baugeschäft über Landes- und kontinentale Grenzen hinaus in Wachstumsmärkten zu erweitern.

Trend zur Interkontinentialisierung

Insgesamt hat sich die Anzahl der Cross-border Deals von 34 im Jahr 2012 auf 48 im Jahr 2013 erhöht. Für 2014 wird hier ein neues Rekordhoch erwartet, da im ersten Halbjahr bereits 26 länderübergreifende Transaktionen verzeichnet wurden. In 2013 waren in 19 interkontinentalen Transaktionen europäische Bauunternehmen (2012: 11 Transaktionen) involviert. Davon betreffen 11 Transkationen Outbound Investments, in denen ein europäisches Unternehmen ein außereuropäisches Unternehmen erworben hat. Für 2015 wird eine Fortsetzung des Trends von einer allgemeinen Internationalisierung hin zu einer Interkontinentalisierung prognostiziert.

Hierbei setzen vor allem Unternehmen aus Südeuropa wie Portugal, Spanien, Frankreich und Italien aufgrund der Schwäche des Heimatmarktes verstärkt auf eine Expansion in internationale Märkte. Multinationale Baufirmen neigen dazu, sich auf stabile Zielmärkte zu konzentrieren, wie beispielsweise die USA, Kanada und Australien. Gründe hierfür sind eine gute makroökonomische Entwicklung sowie attraktive Infrastrukturpläne. Doch auch Lateinamerika und der Mittlere Osten sind verstärkt als Zielmarkt präsent. Ursachen für den Markteintritt sind häufig auch historische Verbindungen: So investieren portugiesische Bauunternehmen u.a. in Angola und Brasilien, niederländische Firmen hingegen u.a. in Indonesien oder Surinam.

Lieferkette als kritischer Faktor

Der Druck auf die Supply Chain erhöht sich weiter, denn nach der Rezession gibt es nur leichte Anzeichen von Besserung und der Wettbewerb wird vor allem in Süd-, Ost- und Südosteuropa zunehmend härter. Es wird zwar ein leichter Produktionsanstieg erwartet, die Margen bleiben jedoch nach wie vor unter Druck. Daher wird vor allem durch vertikale Übernahmen versucht eine Lieferkettenoptimierung in Sinne von höherer Effizienz und damit höheren operativen Margen zu erreichen.

Transaktionswerte in Deutschland unter europäischem Schnitt

Die Entwicklung in Deutschland ist ähnlich wie 2013. Es gibt eine vergleichsweise hohe Anzahl von Transaktionen mit einem niedrigen durchschnittlichen Transakationswert. Deutsche Bauunternehmen wollen durch die Übernahme mittelständischer Unternehmen ihre Wettbewerbsvorteile in lokalen Märkten ausbauen. Der Trend, hauptsächlich Servicefirmen zu übernehmen, ist hingegen genauso sichtbar wie im europaweiten Vergleich.

Public-Private-Partnership-Projekte im öffentlichen und privaten Sektor sind nach wie vor im internationalen Vergleich in Deutschland unterrepräsentiert.

Insolvenzen nur leicht absteigend - Private Equity auf dem Vormarsch

2012 und 2013 war die Baubranche stark von der Krise betroffen. Inzwischen stabilisieren sich die Insolvenzen in West-, Zentral- und Osteuropa: Diese sind hier mit von 2012 mit 14.187 nur leicht auf 14.542 in 2013 gestiegen. Eine Chance für die Baubranche könnten Private-Equity-Deals sein. Diese haben sich seit 2012 fast verdoppelt (von 10% auf 23% der Deals im 1. Halbjahr 2014).

Erfolgsfaktoren auf internationalem Niveau

Um international erfolgreich zu sein und neue Märkte zu erobern, müssen Bauunternehmen ihren Zielmarkt sehr genau analysieren und kennen. Das kann bedeuten, sich durch Übernahmen "einzukaufen" oder ein Joint Venture einzugehen. Lokale und regionale Marktexpertise ist jedoch entscheidend für den langfristigen Erfolg. Daher müssen Bauunternehmen eine Langzeitstrategie entwickeln und definieren, in welchen geografischen Märkten sie aktiv sein wollen.

"Das Jahr 2014 ist für die europäische Bauindustrie besser verlaufen als erwartet. Chancen sehen die europäischen Bauunternehmen vor allem in der stärkeren Internationalisierung und im Einstieg in Märkte außerhalb Europas. Ausschlaggebend für erfolgreiche Expansionserfolge sind, insbesondere fundierte Kenntnisse der lokalen Märkte und der Wettbewerber", schließt Michael Müller.

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