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Badische Zeitung: Auch Soldaten sind Eltern
Es ist gut, dass die Verteidigungsministerin die Sorgen der frustrierten Truppe ernst nimmt Kommentar von Dietmar Ostermann

Freiburg (ots) - Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen will die Bundeswehr zu einem attraktiveren Arbeitgeber machen. Gut so. Denn nicht neue Auslandseinsätze, sondern der komplizierte innere Umbau der neuen Berufsarmee dürfte ihre Amtszeit prägen. Es scheint zu den Ritualen des Berliner Politikbetriebs zu gehören, dass jeder Vorstoß der ehrgeizigen CDU-Politikerin von der Leyen sofort unter Profilierungsverdacht steht und von Häme begleitet wird. Nun also ist von der "Familienministerin in Uniform" und der "Mutter der Kompanie" zu lesen, weil die frühere Familien- und Arbeitsministerin mit ihrer ersten großen Initiative im neuen Amt den Dienst an der Waffe familienfreundlicher gestalten will. Dabei hat Ursula von der Leyen nichts anderes getan, als jenes Thema zu benennen, das beim Umbau der Bundeswehr zur Berufsarmee bislang am meisten vernachlässigt wurde: die Befindlichkeit der tief frustrierten und schwer verunsicherten Truppe. Hartgesottene Verteidigungs- und Sicherheitspolitiker mögen darüber die Nase rümpfen: Gibt es keine anderen Themen für die neue Ministerin? Mancher General alter Schule schüttelt lange schon den Kopf über junge Offiziere, die den Dienst gern mal in Elternteilzeit ableisten wollen oder vom Arbeitgeber eine Kinderbetreuung erwarten. Doch Deutschlands militärische Fähigkeiten hängen eben nicht nur von moderner Ausrüstung und zeitgemäßen Bündnisstrukturen ab, sondern maßgeblich auch von den Soldaten. Bislang wird der tiefgreifende Wandel, den die Abschaffung der Wehrpflicht und die Reformen der vergangenen Jahre ausgelöst haben, vielfach unterschätzt. Der Aufbau einer Berufsarmee aber ist nicht abgeschlossen, er steht erst am Anfang. Die Kasernen füllen sich nicht mehr automatisch; die Bundeswehr ist heute ein Arbeitgeber unter vielen, im zunehmend harten Wettbewerb um qualifizierten Nachwuchs. Häufige Versetzungen, lange Auslandseinsätze, viele Überstunden - all das macht die Truppe wenig attraktiv. Immer mehr junge Menschen wünschen eine eigenverantwortliche, kreative Arbeit, für die militärische Befehlsstrukturen nur bedingt Raum lassen. Angesichts der hohen Abbrecherquote und unbesetzter Planstellen ist längst nicht mehr klar, wie die Truppe von morgen aussehen wird. Eine Bundeswehr aber, die irgendwann nur noch Rambo-Charaktere anzieht oder zur Prekariatsarmee wird, kann niemand wollen. Der Rückzug aus Afghanistan und die damit sinkende Einsatzbelastung öffnen der Ministerin nun ein Zeitfenster, um den schwierigen inneren Reformen mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Auch von der Leyen weiß, dass Dienst und Familie sich im Soldatenberuf noch schwerer in Einklang bringen lassen als anderswo. Besser als bisher aber geht es schon. Das wird sich auszahlen, wenn die Politik die Bundeswehr in den nächsten Einsatz schickt.

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