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Badische Zeitung: Aufruhr wegen der Ausfuhr
Die jüngsten Exporterfolge befeuern die Kritik am deutschen Wirtschaftsmodell - zu Unrecht Kommentar von Ronny Gert Bürckholdt

Freiburg (ots) - Während die halbe Eurozone Wirtschaftswachstum ersehnt, brummt der deutsche Export. Die Bundesrepublik fährt enorme Überschüsse im Außenhandel ein. Jene Kritiker werden sich bestätigt sehen, die in der deutschen Exportstärke den wahren Grund für die andauernde Krise der Eurozone ausgemacht haben. Aber sie haben Unrecht. Die Krise Eurolands hat viele Gründe. Einer liegt tatsächlich darin, dass einige Volkswirtschaften sehr wettbewerbsfähig sind, andere nicht. Die schwachen Staaten führten lange viel mehr Waren ein als aus. Sie finanzierten das auf Pump. Viele der Güter kamen aus Deutschland - Autos, Maschinen, Chemikalien. Das ging so lange gut, bis die Zweifel wuchsen, ob die Schulden beglichen werden können. Seit Ausbruch der Eurokrise hat sich aber einiges getan. Es stimmt zwar, dass der deutsche Außenhandel weiter große Überschüsse erzielt. Aber die stammen überwiegend aus dem Handel mit Nicht-Euroländern. Ganz anders sieht es im Handel innerhalb der Eurozone aus. Zwischen Anfang Januar und Ende November 2013 lag der deutschen Außenhandelsüberschuss bei einer mickrigen Milliarde Euro. Das entspricht 0,27 Prozent des Handelsvolumens. Es kann also nicht die Rede davon sein, dass Deutschland mit zu Dumpingpreisen produzierten Waren Europas Märkte flutet und sich so auf Kosten anderer Eurostaaten bereichert. Diese Daten des Statistischen Bundesamtes sollte man vorsichtig interpretieren. Die Statistiker werten hier ein koreanisches Smartphone, das in Rotterdam verzollt wird und von dort aus nach Deutschland kommt, als Import aus einem Eurostaat. Schaut man sich andere Zahlenreihen mit realitätsnaher Methodik an, die den gleichen Fall als einen Import aus einem Nicht-Euroland werten, ändert sich aber nichts am Trend. In fünf Jahren hat sich dieser Lesart zufolge der Überschuss in die Euroländer halbiert. Das liegt zum Teil daran, dass die Krisenländer notgedrungen ihre Importe drosselten. Erfreulicherweise haben aber auch die Exporte aus Griechenland, Portugal, Spanien angezogen, weil die Länder wettbewerbsfähiger geworden sind. Dass die deutschen Unternehmen im globalen Handel dennoch stark bleiben, sollte im Interesse aller Euroländer liegen. Denn ein deutsches Auto, das etwa nach China ausgeführt wird, ist in Wahrheit ein internationales Gemeinschaftswerk, weil viele Vorleistungen ausländischer Zulieferer drinstecken. Man schwächte auch sie, würde man den deutschen Exportmotor künstlich drosseln. Wenn dennoch der US-Finanzminister erneut die deutsche Exportstärke als Problem für die Weltwirtschaft geißelt, sollte er seinen Blick mal auf die Eurozone als Ganze weiten. Sie macht weder große Überschüsse noch Defizite im Außenhandel. Die Eurozone stabilisiert in dieser Hinsicht die globale Ökonomie - anders als es die USA mit ihren großen Außenhandelsdefiziten tun.

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