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Badische Zeitung: Mehr Licht als Schatten: 20 Jahre ist die Bahnreform jetzt her und noch immer gibt es viel zu tun - Kommentar von Wolfgang Mulke

Freiburg (ots) - Vor 20 Jahren wurde aus den beiden Staatsbetrieben Bundesbahn (West) und Reichsbahn (Ost) die Deutsche Bahn AG. Über den Erfolg dieser Weichenstellung gehen die Meinungen auseinander. Doch nüchtern betrachtet gibt es mehr Licht als Schatten. Die Bahn sollte mit der Reform wirtschaftlich arbeiten dürfen und dem Steuerzahler nicht mehr auf der Tasche liegen. Außerdem hoffte der Bund als Eigentümer auf einen steigenden Marktanteil des Schienenverkehrs gegenüber der Straße. Die Rechnung ist nicht aufgegangen. Noch immer muss der Verkehrsminister jährlich viele Milliarden Euro für den Bahntransport ausgeben. Die Länder erhalten Geld für den Nahverkehr, die Bahn selbst für die Instandhaltung des Netzes und den Neubau von Trassen. Auch ist der Marktanteil der Schiene nicht wie erwartet in die Höhe geschnellt. Stattdessen hat das Unternehmen das Angebot an Verbindungen insbesondere in der Fläche deutlich eingeschränkt. So gesehen dominiert zunächst der Schatten die Szene. Ein Blick zurück auf die Zeit vor der Reform eröffnet jedoch eine andere Sichtweise. Die Beamtenbahn hatte einen Schuldenberg von 34 Milliarden Euro angehäuft. Der Jahresverlust lag allein 1993 bei acht Milliarden Euro. Die Bahn fuhr zwar überall hin, doch oft mit fast leeren Zügen. Der Kunde hieß Beförderungsfall. Und so wurden Fahrgäste auch behandelt, von schmutzigen Bahnhöfen und überalterten Zügen ganz zu schweigen. Auch Verspätungen gab es schon vor der Reform. Der Gütertransport hatte sich weitgehend auf den Lastwagen verlagert. An dieser Ausgangslage muss die Reform auch gemessen werden, dann fällt das Urteil günstiger aus. Der zentrale Pfeiler der Reform war die Umwandlung der Staatsbahn in ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das Gewinne machen soll. Allerdings wurde nie richtig deutlich, wozu diese Gewinne denn dienen sollen. Der frühere Bahnchef Hartmut Mehdorn interpretierte dies in seiner Weise. Es wurde zu Lasten der Kunden und des Netzes gespart, um aus der Bahn einen internationalen Logistikriesen zu schmieden. Die Nachwirkungen unterlassener oder zu spät erfolgter Investitionen in den heimischen Zugverkehr spüren die Fahrgäste noch immer. Die Politik wollte die Bahn sich selbst überlassen. Das tat sie aber nur dort vereinzelt, zum Beispiel bei den Ausgaben für das sanierungsbedürftige Netz. Ein instandgesetztes Gleis bringt keine schönen Fernsehbilder wie die Einweihung einer Neubaustrecke. Auch deshalb ist der Sanierungsbedarf heute riesig. Künftig muss der Bund als Eigentümer klarstellen, was die Bahn leisten soll, damit es eine Messlatte für deren Erfolg gibt. Und er muss sich seiner finanziellen Verantwortung für das Netz stellen. Perfekt wird die Bahn nie sein, aber besser kann sie werden. So schlecht wie ihr Ruf ist die Bahn ohnehin nicht. Dagegen spricht der Passagierrekord, der 2012 erreicht wurde.

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