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Badische Zeitung: Der mehrfache Familienvater: Die Tücken der Sprache - Angerissen von Heinz W. Koch

Freiburg (ots) - Alle kennen ihn. Er kommt in der Zeitung, er kommt im Radio und im Fernsehen vor. Mal wird berichtet, dass er ein hohes politisches Amt antritt, mal, dass er einen hochdotierten Trainerjob angedient bekam, mal auch, dass er bei einem Banküberfall geschnappt wurde. Oft heißt es dann, er sei zwei-, drei- oder auch vierfacher Familienvater. Ach was, hätte Loriot die Angelegenheit knapp kommentiert. Und niemand denkt sich etwas Arges. Dabei lohnt es zweifellos, sich die Wortbildung auf der Zunge zergehen zu lassen. Aber Achtung! Man balanciert am Abgrund des Herrenwitzes, der meist nur ein Männerwitz ist. Denn man könnte ja auf die Idee kommen zu fragen, wie viele Herren denn das mehrfache Familienoberhaupt ausmachen. Schmunzeln ist erlaubt. Noch hintergründiger verläuft die Sache, wenn man den Umstand zu erforschen trachtet, wie vielen Familien der gute Mann denn nun vorsteht. Und der Pfad, den der Sprachdeuter wandelt, wird immer glitschiger. Er verheddert sich in der Sphäre des Halbseidenen. Wo doch alles okay gewesen wäre, hätte man die Familie weg- und es schlicht beim mehrfachen Vater belassen. Es ist, als wolle die Sprache da zu viel. Vielleicht plappert der eine aber auch nur dem anderen nach, ohne dass mal einer stutzig würde. Und überhaupt: Haben wir denn jemals von einer mehrfachen Familienmutter gehört? Am Ende werden wir da auch nur von einem bisher ungeahnten Genderproblem erwischt.

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