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Badische Zeitung: Anschlag in Wolgograd: Vorteil Putin - Kommentar von Ulrich Krökel

Freiburg (ots) - So zynisch es klingt: Der Bombenanschlag spielt Wladimir Putin in die Hände. Der Kremlchef kann nun die Sicherheitsvorkehrungen vor und während der Olympischen Spiele in Sotschi mit Verweis auf die Terrorgefahr noch stärker ausweiten. Ohnehin plante Putin, Sotschi in eine Hochsicherheitszone zu verwandeln. Dazu gehört das Abhören und Ausforschen von Telefon- und Internetverbindungen. Wie das geht, hat die amerikanische NSA vorgemacht. Putin hat nach dem Anschlag in Wolgograd alle Argumente parat, um seine Big-Brother-Spiele so zu inszenieren, wie es ihm passt. Mit einem fröhlichen Sportlertreffen wird das nichts mehr zu tun haben. Der Anschlag hilft Putin noch in anderer Hinsicht. Der Kreml schürt seit langem großrussischen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit, die sich vor allem gegen Migranten aus dem Kaukasus und Zentralasien richtet. Nach Anschlägen wie in Wolgograd fallen derlei Kampagnen auf noch fruchtbareren Boden als ohnehin schon. Zwar gibt es immer wieder Verschwörungstheoretiker, die eben deshalb den russischen Geheimdienst als Drahtzieher der Bluttaten vermuten. Es ist allerdings wenig produktiv, sich in derlei Spekulationen zu ergehen. Wichtiger ist die Erkenntnis, dass Russland trotz (oder wegen?) des Sicherheitsfanatikers Putin auch mehr als 20 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion instabiler ist als es scheint. Das Vielvölkerreich und seine Gesellschaft werden lediglich durch die Macht des Apparates und den Energiereichtum zusammengehalten. Fällt eines dieser Elemente weg, gerät der ganze Koloss auf seinen tönernen Füßen ins Wanken, wie schon mehrfach in seiner Geschichte.

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