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Badische Zeitung: Bernanke bremst behutsam
US-Notenbank fährt Konjunkturspritzen zurück, will aber Unruhe vermeiden - Kommentar von Rolf Obertreis

Freiburg (ots) - Der erste Schritt ist gemacht; die US-Notenbank Fed pumpt von Januar an weniger Dollar in die Märkte. Zentralbankchef Ben Bernanke geht aber behutsam vor, um die Erholung der US-Wirtschaft nicht zu gefährden. Er stützt sie weiter massiv mit extrem billigem Geld - und eine Zinserhöhung ist nicht in Sicht. Nun ist allen am Finanzmarkt klar: Bernanke und seine ab Februar amtierende Nachfolgerin Janet Yellen werden ihre Geldpolitik nach und nach weniger großzügig gestalten. Dennoch bleibt die Fed vorerst spendabel. Den Ankauf von Staatsanleihen und Immobilienpapieren fährt sich um die homöopathische Dosis von zehn Milliarden auf 75 Milliarden Dollar pro Monat herunter. Das bleibt viel Geld. Und von den bisher gekauften Anleihen stößt die Fed keine einzige ab. Banken und Finanzmärkte in den USA werden weiter reichlich mit Geld gespeist. Eine Erhöhung des US-Leitzinses, der seit 2008 zwischen null und 0,25 Prozent steht, ist lange nicht in Sicht. Hauptgrund: In den Augen der Notenbanker ist die Arbeitslosenquote trotz des Rückgangs auf 7,0 Prozent im November noch zu hoch. Selbst wenn die Arbeitslosenrate auf den Zielwert der Fed von 6,5 Prozent fallen sollte, wird der Leitzins nicht zwangsläufig erhöht. Das lassen Bernanke und Yellen bereits durchblicken. Was bedeutet die Entscheidung der Fed für die Europäische Zentralbank (EZB)? Wenig. Für die Notenbanker im Frankfurter Eurotower gibt es keinen Anlass, an der Zinsschraube zu drehen. Die Lage in den Eurokrisenländern bleibt kritisch, die Kreditvergabe der dortigen Banken an die Unternehmen stottert. Auch deshalb wird die Inflationsrate in der Eurozone 2014 und 2015 voraussichtlich deutlich unter der kritischen Marke von zwei Prozent liegen. Das erwartet nicht nur die EZB, sondern auch die überwiegende Mehrheit der Volkswirte. Die Preisstabilität ist gewährleistet. Damit ist die zentrale Aufgabe der EZB aktuell erfüllt. Das lässt ihr Raum für niedrige Zinsen. Im Eurotower wird man 2014 sehr wahrscheinlich den Leitzins nicht erhöhen. EZB-Chef Mario Draghi und seine Kollegen werden eher darüber nachdenken, mehr zu tun, um die Kreditvergabe in den Krisenstaaten anzuregen. In Frage kommt eine Großkredit zu sehr günstigen Konditionen für Banken verbunden mit der Auflage, das billige Geld als Darlehen an kleine- und mittelgroße Betriebe weiterzureichen. Auch der Ankauf von Wertpapieren ist möglich, um zusätzliches Geld bereitzustellen. Wobei Draghi und der EZB-Rat die Regierungen in Euroland unablässig auffordern werden, dass sie mit der Sanierung der Staatsfinanzen und mit Reformen vorankommen müssen. Mit dem vielen Geld verschafft die Notenbank der Politik nur Zeit. Sollte sie nicht genutzt werden und sollte sich abzeichnen, dass die Preise wieder stärker steigen, wird die EZB auf die Bremse treten müssen. Ganz unabhängig davon, wie die Fed jenseits des großen Teiches agiert.

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