FT: Flensburger Tageblatt
Flensburg (ots) - Die Initiative von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) entstand aus purer Not. Mit höherer Lebenserwartung steigt auch das Risiko an Demenzerkrankungen. Schon heute sind viele Familien davon betroffen, prominente Fälle häufen sich und in Zukunft werden es noch mehr sein. Würden alle Erkrankten in professionellen Pflegeheimen betreut, wären die Beitragszahler der nachwachsenden Generationen finanziell überfordert. Noch nehmen viele Familien die aufopfernde Pflege auf sich, zusätzlich belastet durch die bisher mangelhafte Anerkennung von Demenzkrankheit durch die Pflegeversicherung. Aber die Vereinzelung der Gesellschaft - vor allem in den Großstädten - setzt familiärer Fürsorge absehbare Grenzen. Auch sind gute Wohngemeinschaften für die Betroffenen humaner als die Endstation eines Pflegeheims mit überfordertem Personal. Zumindest gilt dies für die Frühphasen von Alzheimer. Dennoch prangert die Deutsche Hospizstiftung mit Recht den Zustand vieler derzeitiger Wohngemeinschaften für Demenzkranke an. Sie kritisiert "Elendsquartiere am Rande der Legalität" und macht den gewaltigen Investitionsbedarf von Minister Bahrs Projekt deutlich. Altersdemenz als gesellschaftliche Herausforderung wird allerdings nicht nur durch neue Pflegemodelle bewältigt. Der Gesundheitsminister beklagt selbst, dass der Durchbruch zu Ursachen und Therapiemethoden in der Forschung bisher ausblieb. Ergänzend zu Pflegemodellen kommt es deshalb darauf an, Forschungsmittel stärker auf diese Volksseuche zu konzentrieren. Dem Wissenschaftsministerium müsste es einleuchten, dass die Ergründung von Demenzerkrankungen gesellschaftlich bedeutsamer als ein neues Raumfahrtexperiment ist und mehr Forschungsförderung verdient. Private Stiftungen der USA sind da längst aktiver - wobei, typisch amerikanisch, das Problembewusstsein durch prominente Krankheitsfälle wie Ronald Reagan geschärft wurde.
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