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Südwest Presse: Kommentar: Beamtenbund-Umfrage

Ulm (ots) - Ganz uneigennützig waren die jährlichen Bürgerbefragungen des Beamtenbundes noch nie. Bei aller gebotenen Neutralität des beteiligten Forschungsinstituts gilt: Werden zur richtigen Zeit die richtigen Fragen gestellt, lohnt sich die Investition. Diesmal darf sich der Auftraggeber besonders freuen: Nicht nur das Image der Staatsdiener, die einst als "arrogant" galten und heute als "zuverlässig" gepriesen werden, hat sich weiter verbessert. Auch wünschen sich 72 Prozent der Bundesbürger einen "starken Staat". Und der geht selbstredend nur mit starker Mannschaft, und nicht mit Stellenabbau oder Abschlägen bei der Besoldung. Womit wir beim Kernanliegen des Beamtenbundes wären. Die Sehnsucht nach dem großen Beschützer passt zum allgemeinen Eindruck der Deutschen, in fragilen Zeiten zu leben, ob man dies nun der Globalisierung, der Terrorgefahr oder der digitalen Informationsflut zuschreibt. Dass die Bundesbürger darüber aber gleich den Wert des Föderalismus vergessen, gibt zu denken. Der Bund soll also nicht nur die Schulpolitik vereinheitlichen, sondern auch für die Polizei zuständig sein, die Gefängnisse betreiben, alle Steuern eintreiben und alleine entscheiden, was mit den Einnahmen passiert, so der Mehrheitswunsch. Ob die Befragten wissen, dass sie damit die Grundordnung der Bundesrepublik in Abrede stellen, also umstürzlerische Ideen hegen? Der ein oder andere mag einfach nicht in Gemeinschaftskunde aufgepasst haben. Doch hinter dem Wunsch nach einem starken, zentralisierten Staat kann auch etwas ganz anderes stecken: Der Wunsch nach einer zentralen Autorität mit großer Machtfülle. Ein beunruhigender Gedanke.

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