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Südwest Presse: Kommentar Milchpreise

Ulm (ots) - Der niedrige Milchpreis bringt viele der 75 000 deutschen Milchbauern in arge Bedrängnis. Dass sie nach einem Eingriff der Politik verlangen, ist verständlich. Es wird diesen Eingriff auch geben - aber keine Garantie dafür, dass die Bauern ein auskömmliches Entgelt für ihr Produkt bekommen. Denn die neue Milchkrise ist hausgemacht. Sie ist Folge der Überproduktion am Markt, und sie kann auch nur am Markt wieder gelöst werden. Entweder steigt die weltweite Nachfrage nach Milchprodukten wieder oder die Landwirte in Europa verknappen ihr Angebot. Eine Rückkehr zur Milchquote, welche die Produktion jahrzehntelang gedeckelt hat, kommt nicht in Frage. Man sollte sich jetzt auch nicht mit wohlfeilen Ratschlägen um das Problem herummogeln und den Bauern mehr Bio-Landwirtschaft und Direktvermarktung als Ausweg anbieten. Das sind immer noch kleine Nischen und werden es wohl auch bleiben. Nur in der Nische sind höhere Preise möglich. Das Problem der Landwirtschaft ist, dass die Menschen zumindest in Deutschland auch für die Milch nur das bezahlen wollen, was verlangt wird. Einen Bonus für Lebensmittel gibt es nicht. Auch runde Tische, an denen Handel und Hersteller sich auf höhere Preise verständigen, sind abwegig. Die EU-Agrarpolitik ist übrigens eine enorm teure Sache. Aus den vielen Milliarden Fördergeldern werden jetzt wohl einige Millionen an die Milchbauern umgeleitet. Das kann die Politik leisten, mehr aber nicht.

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