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Südwest Presse: KOMMENTAR · SATIRESTREIT

Ulm (ots) - Langsam reicht's

Jan Böhmermann ist wieder da. Wunderbar! Der Moderator, der nach dem absurden Theater um sein Schmähgedicht medial abgetaucht war, hat der "Zeit" ein bisher unveröffentlichtes Interview gegeben, in dem er offenbar Angela Merkel die Meinung geigt. Das ist nicht nur Böhmermanns Recht. Er hat auch Recht. Die Kanzlerin darf wirklich nicht wackeln, wenn es um Meinungs- und Kunstfreiheit geht. Und Merkel hat bedrohlich gewackelt. Wohl in der Hoffnung, die Sache zu befrieden, betrieb sie Satirekritik: Merkels öffentliche Einschätzung, das Gedicht sei "bewusst verletzend", war nicht nur ein politischer Fehler, Merkel hat sich damit auch auf das Feld des Feuilletons begeben. Es ist wirklich nicht ihr Feld. Dass dies falsch war, hat die Kanzlerin inzwischen eingeräumt. Und damit sollte es auch mal gut sein in der "Staatsaffäre Böhmermann". Es gibt schließlich im Zusammenhang mit der Türkei Wichtigeres zu tun für die deutsche Regierungschefin. Da steht zum Beispiel demnächst eine Resolution des Bundestags an, in der es um den vom Osmanischen Reich verübten und vom Deutschen Reich geduldeten Völkermord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg geht. Merkel, die ja auch Bundestagsabgeordnete ist, könnte die Abstimmung dazu nutzen, klarzustellen, dass ihr Urteilsvermögen nicht vom Flüchtlingsdeal mit der Türkei getrübt wird. Böhmermann indes sollte sich von der Polit-Posse um seine Person nicht davon abhalten lassen, Gags für seine Show zu schreiben. Die Fans warten nämlich. In der Zwischenzeit findet sich in Mainz hoffentlich ein Staatsanwalt, der das lächerliche Verfahren gegen Böhmermann unter Verweis auf die Kunstfreiheit einstellt.

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