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Südwest Presse: Kommentar - Nordkorea

Ulm (ots) - Unterirdische Provokation

Nordkorea hat mit dem mutmaßlichen Test seiner ersten Wasserstoffbombe dem ohnehin spannungsgeladenen fernen Osten einen fulminanten Jahresauftakt beschert. Denn die Explosion, die Staatschef Kim Jong Un listig als "aufregendes Geräusch" bezeichnet, bedeutet nichts anderes, als dass sein maroder Staat endgültig in den elitären Kreis der Atommächte aufgestiegen ist. Der Diktator mit der hippen Frisur macht ernst mit der Staatsdoktrin, die dem Militär in allen Belangen erste Priorität einräumt. Eine Wiedervereinigung der koreanischen Halbinsel wäre aus seiner Sicht allenfalls die Ausdehnung des kommunistischen Systems auf den Süden. Bedrohten die nuklearen Ambitionen des Regimes in Pjöngjang nicht Frieden und Stabilität einer ganzen Weltregion, so müsste man sagen: Respekt - vorausgesetzt, die Angaben stimmen. Denn eine Fusionsbombe zu konstruieren ist ungleich komplizierter als eine herkömmliche Atombombe, was schon nicht einfach ist. Selbst wenn man in Rechnung stellt, dass das Programm anfangs auf pakistanischem Knowhow aufbaute, wäre das eine reife Leistung - vor allem, wenn man die wirtschaftliche Situation des Landes berücksichtigt. Der jüngste Test mag nicht nur im Wortsinn wahrlich unterirdisch sein. Doch der Westen muss zur Kenntnis nehmen: Alle Sanktionen haben Nordkoreas Atomprogramm bestenfalls gebremst, doch nicht verhindert. An Verhandlungen auf Augenhöhe führt wohl kein Weg vorbei. Das hat im Iran funktioniert, einen Versuch ist es daher auch in Nordkorea wert. Diesen Sieg hat sich Kim Jong Un mit seinen fortgesetzten Provokationen bereits ertrotzt.

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