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Südwest Presse: KOMMENTAR · FACEBOOK

Ulm (ots) - Abschied von der heilen Welt

Mark Zuckerberg hat mit Facebook eine Plattform für mehr als eine Milliarde Menschen geschaffen. Die Nutzer des digitalen Netzwerks sollen fortwährend ihr Handeln, ihren Alltag, ihre Ansichten anderen zugänglich machen. Facebook hat also unzweifelhaft den Anspruch an sich selbst, die Lebenswirklichkeit eines wesentlichen Teils der Erdbevölkerung abzubilden. Bei genauerem Hinsehen ist das Netzwerk diesem Anspruch jedoch nie gerecht geworden: Wird eine Freundschaftsanfrage abgelehnt, wartet der Absender vergeblich auf eine Benachrichtigung. Genauso verhält es sich, wenn bestehende Facebook-Freundschaften beendet werden. Beiträge, und seien sie noch so abstoßend, können lediglich geteilt, kommentiert oder mit einem "Gefällt mir" versehen werden. Kurzum: Facebook hat eine heile Welt gebastelt, in deren Grundarchitektur Ablehnung und Missfallen nicht vorgesehen sind. Der "Gefällt mir nicht"-Knopf, den Zuckerberg nun in Betracht zieht, könnte einen Paradigmenwechsel in der Chefetage der Online-Plattform einläuten. In einem Jahr, in dem ein Passagierflugzeug in den Alpen zerschellt, Bilder von ertrunkenen Flüchtlingskindern geteilt werden und vermeintlich besorgte Bürger mit den immer gleichen Unwahrheiten gegen Ausländer hetzen, scheint Zuckerberg erkannt zu haben: Manchmal kann der Daumen nur nach unten zeigen. Das wurde höchste Zeit.

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