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Südwest Presse: KOMMENTAR · FLÜCHTLINGE

Ulm (ots) - KOMMENTAR · FLÜCHTLINGE

Falsche Richtung Man kann sich die Situation in den Erstaufnahmeeinrichtungen vorstellen: Viele hundert Menschen in beklemmender Enge. Jeder von ihnen voll mit Albträumen und Schmerz. Angefüllt aber auch mit der Erwartung, dass nach Monaten der Angst nun ein Leben in Sicherheit beginnt. Was kommt, ist zunächst ein nervenzehrendes Warten - auf ein Gespräch, ein Papier, einen Stempel. Das kann Übersprungshandlungen erzeugen und Gewalt, wie die Vorgänge im thüringischen Suhl zeigen. Unsicherheit, Fremdheit und ein zum Teil über Generationen vererbter Hass auf andere Ethnien oder Religionen sind weitere Funken für solche Eruptionen. Dass es zu Ausbrüchen kommt, kann nicht überraschen, mehr schon, dass dies vergleichsweise selten geschieht. Politiker fordern nun eine Trennung der Flüchtlinge nach Ethnien. Der Vorschlag zielt in die Irre. Er spiegelt weder die Situation in den Erstaufnahmestellen, in denen Platz gesucht wird, egal wo. Noch passt er zu einem Leben in Deutschland. Abgesteckte ethnische Zirkel oder Ghettos sind manchmal dem Leben oder der Einkommenssituation geschuldet, wünschenswert sind sie nicht. Sie reduzieren die Konflikte unter Angehörigen verschiedener Kulturen nicht, sondern konzentrieren sie. Wer in Deutschland lebt, muss sich dem Miteinander unterschiedlicher Ethnien und Religionen stellen. Das trifft die Mehrheitsgesellschaft ebenso wie die Flüchtlinge.

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