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Südwest Presse: KOMMENTAR · KITA-TARIFSTREIT

Ulm (ots) - Bsirskes Dilemma

Das klare Nein der Gewerkschaftsmitglieder zum Schlichterspruch im Kita-Streit kommt alles andere als überraschend. Die Spitzen von Verdi und Co. hatten die Erwartungen mit einer Zehn-Prozent-Forderung weit nach oben geschraubt. Dass sich die Mitarbeiter im Sozial- und Erziehungsdienst dann nicht einfach mit durchschnittlich 3,2 Prozent abfinden werden, muss den Gewerkschaften bereits klar gewesen sein, bevor sie zum Mitgliedervotum geblasen haben. Zumal die wochenlangen Streiks die einmal geweckten Hoffnungen noch vergrößert haben. Insbesondere Verdi-Chef Bsirske steckt nun im Dilemma. Im September will er sich auf einem Bundeskongress für weitere vier Jahre im Amt bestätigen lassen. Zwar sägt niemand an seinem Stuhl. Ein aus Sicht der Basis enttäuschendes Schlichtungsergebnis hätte aber nicht in das Bild vom durchsetzungsstarken Gewerkschaftsführer gepasst, den Bsirske gerade gerne gibt. Nur fragt man sich, warum die Verdianer in der Schlichtungskommission dem Kompromiss dann überhaupt zugestimmt haben. Mit seiner Forderung nach "substanziellen Verbesserungen" könnte sich Bsirske vollends verrennen. Denn bei den kommunalen Arbeitgebern geht der Wille, wieder von vorne anzufangen, gegen Null. Also bleibt nur das Mittel weiterer Kita-Streiks. Doch je länger diese gehen und je aussichtsloser sie werden, desto mehr wird das Verständnis der Betroffenen bröckeln. Das Anliegen, Erzieherinnen besserzustellen, ist richtig und wichtig. Bsirske muss jedoch gewusst haben, dass dies nur in mehreren Schritten möglich ist. Wie er aus der Nummer wieder herauskommen will, ist schleierhaft.

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