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Südwest Presse: KOMMENTAR · FLÜCHTLINGE

Ulm (ots) - Problematische Wende

Man muss es nicht schönreden: Pure Hilflosigkeit führte Sozialministerin Schwesig bei ihrem jüngsten Vorstoß die Hand. Junge unbegleitete Flüchtlinge sollen künftig auf das ganze Bundesgebiet verteilt werden. Die Sorge um das Kindeswohl wird in der Neuregelung des Bleiberechts weggedrückt. Unbestritten ist die Not mancher Kommune groß. Weil mit der steigenden Zahl von Flüchtlingen auch immer mehr Kinder und Jugendliche aus Kriegs- und Krisenländer kommen, wissen manche Städte nicht mehr ein noch aus. Ihnen fehlen geeignete Unterkunftsmöglichkeiten und Betreuer. Kinder, die Gewalterlebnisse und eine oftmals traumatisierende Flucht hinter sich haben und an ihrem neuen Platz abgeschnitten sind von Familie und gewohnter Kultur, brauchen besonderen Schutz und Zuwendung. Das haben bisher viele Sozialarbeiter geleistet. Sie haben eingeschätzt, welcher Jugendliche beispielsweise einer Großstadt gewachsen ist und wer Abgeschiedenheit braucht, um sich stabilisieren zu können. Gerade an den zentralen Anlauforten konzentrieren sich Kompetenz und Hilfestrukturen. Schließlich sollte den jungen Menschen der Start in ein neues, irgendwann auch selbstständiges Leben in Deutschland ermöglicht werden. Das wird künftig schwieriger. Steuerkraft und Einwohnerzahl der Gemeinden bestimmen, ob sie junge Flüchtlinge aufnehmen können. Der an der Wirtschaftskraft orientierte Verteilschlüssel blendet die Situation der jungen Flüchtlinge aus. Das könnte sich rächen. Kaum etwas ist so teuer und schwierig wie unzureichende Integration. Das Ministerium leitet eine problematische Wende ein.

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