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Südwest Presse: KOMMENTAR · NATO

Ulm (ots) - Muskelspiele

Die Reflexe funktionieren noch. Mehr als 20 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges provozieren Russland und die Nato wie in besten Zeiten, um sich anschließend über die Anwort zu empören. Das ist die bewährte Aktions-Eskalations-Spirale, die allein den Zweck hat, den Gegner zu Überreaktionen zu verleiten, um ihm dann vorwerfen zu können, er gefährde Frieden und Stabilität. Es sind riskante Muskelspiele, die Vertrauen vergiften und jenen Gesprächsfaden zerstören, ohne den außenpolitische Kraftmeierei in blutigen Ernst abzugleiten droht. Die Außenpolitik des Kreml ist aggressiver geworden. Es gibt keinen Grund, überrascht zu sein, dass Russlands Präsident Wladimir Putin Raketenschach spielt wie dereinst die Führungsriege der UdSSR. Die jüngste Ankündigung der Nato, schwere Waffen in die östlichen Mitgliedsstaaten zu verlegen, mag nach der Kündigung des KSE-Rüstungskontrollvertrages durch Russland erlaubt sein, doch Putins nukleares Säbelrasseln war zu erwarten - und vielleicht sogar gewollt. Wer in dieser Partie gut und wer böse ist, entscheidet sich, wie so oft, vor allem durch die Selbstdefinition. Namhafte Stimmen aus den Reihen derer, die in den 70er Jahren die Entspannungspolitik gestaltet haben, fordern deshalb von beiden Seiten, abzurüsten - verbal wie militärisch. Sie haben mehr Gehör verdient, als es ihre Nachfolger gerne hätten: Sicherheit gibt es nur mit, nicht gegen Russland.

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