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Südwest Presse: LEITARTIKEL · G-7-GIPFEL

Ulm (ots) - Überholtes Format

Von Gunther Hartwig Was bleibt nun vom G-7-Gipfel in Elmau - außer Kosten und Kulissen? Zuallererst die nüchterne Erkenntnis, dass der materielle Aufwand ebenso wie die Sicherheitsvorkehrungen jedes vernünftige Maß gesprengt haben. Ein ganzes Tal zur paramilitärisch geschützten Sperrzone zu erklären, mehrere Gemeinden und zahlreiche Geschäftsleute in einen Tage langen Ausnahmezustand zu versetzen, nur damit sieben Spitzenpolitiker ungestört miteinander reden können - das geht, bei allem Verständnis für die Notwendigkeit fruchtbarer Kommunikation und rationalen Konfklitmanagements auf internationaler Ebene, denn doch zu weit. Zudem ist das vor 40 Jahren von Helmut Schmidt und Valery Giscard d'Estaing erfundene Format mittlerweile hoffnungslos überholt. Die Welt, deren vornehmlich wirtschaftspolitische Probleme die Gruppe der führenden Industrienationen damals am Kamin erörterte, ist gleichzeitig komplizierter und extremer geworden. Es sind unterdessen eine Vielzahl ökonomisch bedeutender Mitspieler auf den Plan getreten, allen voran China und Indien, obendrein werden strategisch wichtige Regionen von zerfallenden Staaten destabilisiert, und der internationale Terrorismus bedroht Infrastruktur, Handel und Kultur fast überall auf der Erde. Wer da noch an die exklusive Wirkmächtigkeit von sieben oder acht Staats- und Regierungschefs glaubt, ignoriert die Neujustierung im globalen Kräfteparallelogramm, die seit Jahren im Gange ist. Natürlich bringen Nordamerika, Japan und die beteiligten Europäer immer noch genug Gewicht auf die Waage, um zusammen Einfluss zu nehmen und Trends zu setzen - oder gemeinsame Werte hochzuhalten. Aber bei Licht besehen ist G7/G8 ein Auslaufmodell, der Gipfel ein überholtes Ritual, das sich an Symbole und Ordnungsmuster von gestern klammert. Da hilft auch keine Flucht in ein barockes Alpenidyll. Ärgerlich an dem Spektakel in der oberbayerischen Traumlandschaft war nicht so sehr die bemühte Inszenierung prächtiger Bilder vom "Gipfel dahoam". Gegen die Präsentation Deutschlands am Beispiel einer von Natur und Folklore besonders geprägten Region ist wenig einzuwenden. Aber dass der Protest gegen die Auswüchse von Turbokapitalismus und Umweltzerstörung durch das einschüchternde Polizeiaufgebot im Keim erstickt wurde, dass die Medien weitgehend auf Distanz bleiben mussten und Informationen über das Geschehen am Konferenzort nur vorsortiert vermittelt wurden, fällt als Schatten auf das regierungsamtliche Hochglanzfoto von Elmau. Für die akuten Krisen dieser Zeit - Ukraine, Griechenland, Mittlerer Osten - wurden an den vergangenen beiden Tagen jedenfalls keine Lösungen gefunden, bloß Beschwörungen formuliert. Die bilateral belastende NSA-Affäre blieb mit Rücksicht auf die ohnehin nicht störungsfreien deutsch-amerikanischen Beziehungen außen vor. Für die existenziellen Zukunftsfragen der Welt - Armut, Hunger, Seuchen - sind die ausgehandelten Absichtserklärungen löblich, aber nicht effizient genug. Dass die Gastgeberin des Gipfels das Thema Klimaschutz plötzlich wiederentdeckt hat, ist aus ihrer Sicht nur zu verständlich. Im Vergleich mit notorischen Umweltsündern wie den Amerikanern und Japanern kann sich Angela Merkel allemal als "Klimakanzlerin" preisen und der im Kreis der G7 bekräftigten - eher bescheidenen - Ziele rühmen. Dabei steht der Erfolg ihrer Energiewende in Deutschland mehr denn je auf der Kippe. Auf Distanz: Proteste, Medien und viele wichtige Theme

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