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Südwest Presse: KOMMENTAR · EINREISEVERBOT

Ulm (ots) - Gefährliche Sandkastenspiele

Man fühlt sich an ein Sandkasten-Spiel erinnert: Nimmst Du mir meine Förmchen, schnappe ich Dir deine weg. Ungefähr so mutet die Nachricht von den russischen Einreiseverboten für 89 europäische Politiker und Militärfachleute an. Europa hatte zuerst solche Strafen für Personen ausgesprochen, die an der Eskalation der Ukraine-Krise beteiligt waren. Jetzt revanchiert sich Russland mit einer eigenen Schwarzen Liste. Eine Begründung für die ausgewählten Personen fehlt, wenngleich viele Russlandkritiker unter ihnen sind. Doch um die konkreten Personen geht es nicht, mehr schon um Befindlichkeiten. Russland fühlt sich brüskiert. Es zeigt mit eigenen Sanktionen Stärke nach innen und zahlt dem Westen seine Strafen mit gleicher Münze zurück. Die Einreiseverbote kann Europa verschmerzen. Problematischer ist, dass mit ihnen der Graben zwischen Ost und West noch tiefer wird. Seit der Krise in der Ukraine und der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim treiben Europa und Russland gefährlich auseinander. Verbockte Sprachlosigkeit greift um sich, wo Gespräche über Krisen - ob im Nahen Osten oder der Ukraine - nötig wären. Die Strategie immer neuer kleiner Nadelstiche wird am Ende nur große Verlierer hervorbringen. Der Westen tut gut daran, die Einreiseverbote nicht zu hoch zu hängen. Auch wenn man Putin nicht liebt, seine autokratische Politik verachtet - reden muss man mit ihm doch.

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