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Südwest Presse: KOMMENTAR · DROGEN

Ulm (ots) - Zeit für Entspannung

Cannabis ist in Deutschland die am häufigsten konsumierte illegale Droge. Mit dieser Erkenntnis belegt der Drogenbericht der Regierung: Die Prohibitionspolitik ist gescheitert. Denn Cannabis ist nur illegal, weil es der Gesetzgeber will. Die Menschen rauchen trotzdem, was das Zeug hält. Wer angesichts des Verbots Angst hat, greift zu synthetischen Drogen, die nicht dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen - den Legal Highs - und handelt sich mehr Gesundheitsprobleme ein als mit dem pflanzlichen Original. Es ist an der Zeit, die Kriminalisierung der Kiffer zu beenden - ganz zu schweigen von jenen, die Cannabis zu medizinischen Zwecken verwenden und dazu selbst anbauen. Nach Piraten, Linken und Grünen hat das mittlerweile sogar die tief in der Bürgerlichkeit verortete FDP begriffen. Denn obwohl das Bundesverfassungsgericht 1994 in seinem "Cannabis-Beschluss" ein grundgesetzliches "Recht auf Rausch" abgelehnt hatte, kam aus Karlsruhe die Ansage: Die staatliche Verfolgung zumindest volljähriger Kleinkonsumenten ist unverhältnismäßig. Das endlich anzuerkennen hat nichts mit Verharmlosung zu tun. Denn Legalisierung bekämpft den Schwarzmarkt, macht den Weg frei für die kontrollierte Abgabe an Erwachsene und schützt damit Jugendliche besser als bisher. Dass jeglicher Drogenkonsum - auch anerkannter Substanzen wie Alkohol und Nikotin - vermeidbare Gesundheitsrisiken birgt, steht außer Frage. Doch riskant zu leben ist das Recht freier Menschen in einem freien Land. Eine alleine an Abstinenz ausgerichtete Gesetzgebung ist unglaubwürdig. Es ist höchste Zeit für suchtpolitische Entspannungspolitik.

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