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Südwest Presse: KOMMENTAR · US-DIPLOMATIE

Ulm (ots) - KOMMENTAR · US-DIPLOMATIE

Eine Hand wäscht die andere

Die doch angeblich so stark angeschlagenen Beziehungen zwischen Washington und Moskau sind kaum wiederzuerkennen. So hatte US-Präsident Barack Obama noch kürzlich mit Genugtuung festgestellt, dass Russlands Wirtschaft als Folge der Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise "in Trümmern liegt". Auch lässt Wladimir Putin selten eine Gelegenheit aus, um die USA als Gefahr für den Weltfrieden zu beschimpfen. Dann aber reist Obamas Außenminister John Kerry zu Gesprächen mit Putin und dessen Chefdiplomat Lawrow nach Russland, um Einigkeit zu demonstrieren. Tatsache ist, dass der erfahrene Staatsmann Kerry erkannt hat, was sich seinem Chef lange Zeit verschloss: Dass sich nämlich aller Differenzen zum Trotz das Weiße Haus und der Kreml gegenseitig brauchen. Im Kampf gegen den IS und für Stabilität in Syrien, um Irans nukleare Ambitionen einzudämmen und nun auch, um Schleppern das Handwerk zu legen und den Flüchtlingsstrom nach Europa zu stoppen. Kerry möchte Putin gerne davon abbringen, sein Veto gegen eine entsprechende UN-Resolution einzulegen. Gewiss hat es sich der hohe Gast aus Washington nicht nehmen lassen, den Konflikt in der Ukraine anzusprechen. Doch Kerry wird leise treten und dürfte es bei dem Hinweis darauf, wie wichtig die Umsetzung der in Minsk vereinbarten Waffenruhe ist, bewenden lassen. Für Optimismus in dem lädierten bilateralen Verhältnis mag es zu früh sein. Immerhin haben aber beide Seiten einen pragmatischen Ansatz gewählt und setzten sich nun für jene Interessen ein, die sie gemeinsam haben. Das allein ist ein wichtiger Fortschritt.

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