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Südwest Presse: KOMMENTAR · SWP zur BAHN Es geht nur um die Macht

Ulm (ots) - Was sich im Tarifkonflikt der Deutschen Bahn abspielt, ist nicht mehr nachzuvollziehen. Zwei Gewerkschaften ringen mit einem Arbeitgeber - um was eigentlich? Ach ja, vordergründig um Arbeitszeiten und Entlohnung. Aber hintergründig doch nur um die Macht. Weshalb sonst weist die Lokführer-Gewerkschaft Tariferhöhungen von 4,7 Prozent zurück und kündigt ab heute wieder Streiks an und zwar "richtig lange", wie GDL-Chef Claus Weselsky angedroht hat? Es geht ihm offenbar nicht um die Interessen der Lokführer, sondern darum, den starken Max zu markieren. Ab 1. Juli gilt das Gesetz zur Tarifeinheit, dann wird es für den ehrgeizigen GDL-Chef schwierig, auch andere Berufsgruppen zu vertreten. Die Eisenbahnergewerkschaft EVG macht auch keine bessere Figur. Sie kämpft für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Entlohnung der Zugbegleiter, auch ihr reichte bisher kein Angebot aus. Fürchtet sie einen Machtverlust, falls die GDL mehr herausholt? Nun hat die Bahn erneut eine Schlichtung vorgeschlagen. Sie ist ein guter Weg, weil sie Tarifkonflikte auf neutralen Boden holt. Immerhin will die GDL den Vorschlag prüfen. Am besten prüft die EVG gleich mit - und zwar, ob der Bieterwettbewerb mit der GDL gerechtfertig ist. Der Tarifstreit trifft den Alltag vieler Menschen, schränkt deren Mobilität gewaltig ein. Höchste Zeit also für eine Einigung oder, um im Bild zu bleiben, allerhöchste Eisenbahn.

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