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Südwest Presse: KOMMENTAR · KRANKSCHREIBUNG

Ulm (ots) - Absolute Vertraulichkeit

Lassen sich Tragödien wie der mutmaßlich gewollte Absturz der Germanwings-Maschine verhindern? Gibt es Möglichkeiten, Menschen, die jenseits von Selbstmordattentaten zu Kurzschlusshandlungen neigen, von Aktionen abzuhalten, die Unschuldige mit in den Tod reißen? Darüber nachzudenken, gebietet das Andenken an die Opfer und der Versuch, solches Leid zu vermeiden. Doch welche Maßnahmen könnten helfen? Die Berufsgruppen, die andere gefährden können, geht weit über Piloten, Bus- und Eisenbahnfahrer hinaus. Sie alle regelmäßigen Psycho-Tests zu unterziehen, setzt sie einem Verdacht aus, der nicht zu rechtfertigen ist. Die Tests sind zudem nicht geeignet, Taten zu verhindern, die einem Normalsterblichen nicht einmal in seinen absurdesten Albträumen begegnen. Die Forderung, Ärzte zu verpflichten, Krankschreibungen direkt an die Arbeitgeber bestimmter Berufsgruppen zu schicken statt dies dem Arbeitnehmer zu überlassen, stört das Arzt-Patienten-Verhältnis nachhaltig. Es beruht auf absoluter Vertraulichkeit. Ist diese nicht mehr vorhanden, würden Kranke letztlich Behandlungen meiden, der sie gerade in mentalen Notlagen bedürfen. So unbefriedigend es sein mag: Es gibt im Umgang mit Erkrankungen kein Regelwerk, das Risiken völlig ausschließt. Ärzte wissen genau, wo und wann ihre Schweigepflicht endet. Diese zu beschneiden, senkt Gefahren nicht, es erhöht sie.

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Ulrike Sosalla
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