Südwest Presse

Südwest Presse: KOMMENTAR · AFGHANISTAN Bittere Bilanz

Ulm (ots) - Nach 13 Jahren endet zum Jahresende der Kampfeinsatz der Nato in Afghanistan. Aus deutscher Sicht bedeuten diese 13 Jahre einen fatalen Mentalitätswandel: die jahrzehntelang undenkbare Normalisierung des Krieges in den Köpfen und in der politischen Praxis. Beharrlich gegen diese Entwicklung gestemmt hat sich alleine die Linkspartei, der aufgrund ihrer Haltung nur zu gerne die Regierungsfähigkeit abgesprochen wird. Die anderen politischen Kräfte äußern dagegen immer lauter den Wunsch, militärische Expeditionen in alle Teile der Welt als regulären Bestandteil deutscher Außen- und Bündnispolitik zu begreifen. Dabei ist die Bilanz dieses Einsatzes so bitter, dass sie allen künftig als Lehre dienen müsste: Aus deutscher Sicht sind das 55 Tote, unzählige verwundete und noch mehr traumatisierte Soldaten, der verheerende Luftangriff von Kundus und eine bizarre Debatte, die den Begriff des Helden wieder salonfähig gemacht hat. Es gibt ein Ehrenmal und die Einsicht, dass die Bundeswehr für die Pläne so manchen Verteidigungspolitikers schlecht gerüstet ist. Ob dieser Kampfeinsatz zumindest den Afghanen geholfen hat, wird die Zukunft zeigen. Trotz einzelner Erfolge stehen die Zeichen schlecht: Die Korruption blüht wie der Schlafmohn, von echter Demokratie, die der Westen mit militärischen Mitteln exportiert, ist das Land weit entfernt. Der Abzug kommt deshalb spät. Zu spät. Doch das ist immer noch besser als nie.

Pressekontakt:

Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

Original-Content von: Südwest Presse, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Südwest Presse

Das könnte Sie auch interessieren: