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Südwest Presse: KOMMENTAR zu FRANZISKUS Ausgabe vom 24.12.2014

Ulm (ots) - KOMMENTAR zu FRANZISKUS

Ausgabe vom 24.12.2014 War Aschermittwoch dieses Mal kurz vor Weihnachten? Die Ansprache von Papst Franziskus an seine engen Mitarbeiter markiert keinen fröhlichen Jahresausklang, sie ist eine harsche Bußpredigt. So deutlich hat kein Pontifex zuvor die Selbst-Verliebtheit geistlicher Höflinge kritisiert, ihre "mentale Erstarrung" und "spirituelle Demenz". Die Worte sind eine Kampfansage an das alte System. Franziskus will eine andere Kirche: eine demütigere, am Evangelium orientierte, die den Menschen dient - und nicht sich selbst. Nicht alle Kirchenverantwortliche wollen ihm folgen. Sie fürchten um das Ansehen der Institution, wollen Dogmen nicht hinterfragen. Unter ihnen hat sich der Papst neue Feinde gemacht. Der milde wirkende Kirchenmann nimmt darauf keine Rücksicht. Konflikte schrecken ihn nicht. Franziskus will den offenen Austausch - und zwar schnell. Aus der Rede des 78-Jährigen spricht auch ein Mann, der keine Jahrzehnte mehr vor sich hat. Nach dem Ausmisten der Vatikanbank will der Argentinier jetzt die Kirchenverwaltung auf neue Füße stellen. Wer sich dem Wandel verschließt, wird vermutlich nicht mehr lange im Amt bleiben. Auch so lassen sich die Worte deuten. Warum stellt Franziskus die Kurie so bloß? Ohne eine Umkehr, so ist zu vermuten, kann die katholische Kirche ihre Glaubwürdigkeit nicht zurückgeinnen. Umkehr fängt beim Einzelnen an, die Reform des System packt Franziskus selber an.

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