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Südwest Presse: KOMMENTAR · KIRCHEN

Ulm (ots) - KOMMENTAR · KIRCHEN

Fatales Signal Die Kirchen sind ein Staat im Staat - zumindest faktisch. Nirgends ist das so augenfällig wie dort, wo sie als Arbeitgeber auftreten. Egal, ob es um das Streikrecht oder den leidigen Themenkreis sexueller Beziehungen in all ihren Erscheinungsformen geht - ein Arbeitnehmer, der nicht auf Linie ist, muss seinen Hut nehmen. Unter der Knute der Sittenlehre sind alle gleich - von der lesbischen Kindergärtnerin bis zum wiederverheirateten Chefarzt. Gestern hat das Bundesverfassungsgericht dieser unseligen Praxis einmal mehr seinen juristischen Segen gegeben. Böse Zungen behaupten ja, das Grundgesetz sei im Schatten des Kölner Doms verfasst worden. Die Auslegung, die die Richter der Religionsfreiheit geben, bestätigt das: gegen das Individuum und für die Organisation. Sie siedeln das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen derart hoch an, dass deren Verpflichtung auf die für alle geltenden Gesetze zur Makulatur wird. Formal mag sich das begründen lassen, politisch passt es nicht mehr in die Zeit. Immer mehr Menschen kehren den Kirchen den Rücken - nicht nur aus steuerlichen Gründen. Gleichzeitig verkünden Kleriker das Ende der These einer zunehmenden Säkularisierung der Gesellschaft, fundamentalistische Christen ziehen gegen zeitgemäße Bildungspläne zu Felde. Ihnen allen haben die Verfassungsrichter gestern die Stange gehalten. Ein fatales Signal. Es sei daran erinnert: Etliche Sozialeinrichtungen, in denen die Kirchen gegenüber den Arbeitnehmern rigoros ihre Anschauungen durchsetzen können, sind weitgehend staatlich finanziert. Zumindest dort sollten alle Standards einer freien Gesellschaft gelten dürfen,

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