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Südwest Presse: Kommentar zur LEITZINSSENKUNG

Ulm (ots) - Mario Draghi beherrscht das Spiel auf der Klaviatur eines Zentralbank-Präsidenten. Er muss immer wieder mal die Experten verblüffen, um das Gütesiegel der Unabhängigkeit zu polieren. Das ist für seine Geldpolitik wichtig. Die erneute Senkung des Leitzinses ist überraschend. Ob sie zu früh kommt - die Antwort kann auch Draghi nicht kennen. Er macht jedenfalls ernst damit, notfalls alle Mittel zu nutzen, um Deflation und Rezession in Europa zu verhindern. Diese Präferenz ist grundsätzlich gut. Die wirtschaftlichen Belastungen der Russland-Krise mögen den Ausschlag gegeben haben, noch einen Pfeil aus dem Köcher zu ziehen. Leichtes Unbehagen stellt sich aber auch bei jenen ein, die zu Draghis Kurs keine tragfähige Alternative erkennen können. Natürlich wird jetzt wieder das falsche Argument der "schleichenden Enteignung" kommen - das ist aber nicht das Thema. Es fragt sich, ob in den stagnierenden Südländern die Wirtschaft mittels Zinserleichterungen angeschoben werden kann. Und: Geben Banken das Geld als Kredit weiter, weil ihnen andere Anlagen vermiest werden? Unbehaglich ist auch, dass sich die Börsen natürlich über Draghi freuen. Das nährt Übertreibungen. Geldpolitische Maßnahmen brauchen Zeit, um ihre Wirkung zu entfalten. Draghi wollte aber nicht warten, sondern handeln. Entschlossenheit ist meist gut, Zaudern kann manchmal besser sein.

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