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Südwest Presse: Kommentar zur Maut

Ulm (ots) - Der letzte Rest an CSU-Allmacht besteht darin, dass die Partei es von jeher verstanden hat, unterhaltsame Elemente in der Politik nicht zu kurz kommen zu lassen. Zumindest unter den vier großen S war und ist das so: Strauß, Streibl, Stoiber und jetzt Seehofer waren und sind immer wieder gut für einen Komödienstadl. Aktuelles Stück: "Der Milliarden-Irrtum" mit Innenminister Joachim Herrmann und Ministerpräsident Horst Seehofer in den Hauptrollen. Herrmann hat es gewagt, auf die kleinste, im Rest der Republik zu vernachlässigende Schwäche in Alexander Dobrindts Maut-Konzept hinzuweisen (wobei der Dritte im Bunde der CSU-Granden in diesem Stück in eine Statistenrolle abgedrängt ist): Von kleinen Grenzverkehren lebende bayerische Orte fürchten ökonomische Nachteile. Seehofer hat seinen Innenminister dafür in eine Watschn laufen lassen, die sich gewaschen hat. Er bescheinigt seinem Innenminister vor aller Ohren, dieser verzapfe Senf. Selbst am Weißwurstäquator, wo guter Senf ein Wert an sich ist, des Guten zu viel. Seehofers bühnenreife Vorstellung hat einen wenig komödianten Hintergrund: Der CSU-Chef ist bei der Europawahl selber abgewatscht worden. Zum einen für seine Stammtischparolen in der Flüchtlingspolitik. Zum anderen seiner Sprunghaftigkeit und Wankelmütigkeit wegen. Daher will er das Bundestagswahl-Versprechen einer Maut für Ausländer durchsetzen. Auf Teufel komm raus, egal, wie verkehrt es ist. Hier wird die Komödie zur Tragödie: Seehofer erkennt nicht, dass in Bayern die Zeiten vorbei sind, in denen sich auch Unsinn durchsetzen lässt, wenn man ihn nur in barocker Mia-san-mia-Dialektik vorträgt.

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