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Südwest Presse: Kommentar zum FUSSBALL-WELTMEISTER

Ulm (ots) - Was für ein Gefühl, was für eine Freude: Wer Sonntagnacht durch die Straßen seiner Stadt zog, ob mit oder ohne Fahne, ob im Trikot oder nicht, erlebte meist ein Deutschlandgefühl der entspannten, der beschwingten Art. Die Begeisterung der überwiegend jungen Fans war ansteckend, inspirierend und einfach fröhlich. Ein Land, das die jahrzehntelang anhaltende Angst vor den eigenen Symbolen verloren hat. Schwarz-Rot-Gold ist nicht länger zwangsläufig das Synonym eines überbordenden Nationalismus, verbunden mit der hässlichen Fratze des ausgrenzenden, pöbelnden Deutschen, sondern das identitätsstiftende Symbol einer modernen Multi-Kulti-Nation. Nicht mehr, aber vor allem auch nicht weniger. Der Weltmeister-Titel von Rio ist der Abschluss einer Entwicklung, die nicht allein der Nationalmannschaft zu verdanken ist, die aber ohne die verbindende Kraft des Fußballs wiederum undenkbar wäre. Ausgangspunkt dieses Prozesses war das Sommermärchen 2006, bei dem die Welt zum ersten Mal entdeckte, dass Deutschland nicht nur vier Wochen gutes Wetter bieten kann, sondern zugleich ein wunderbarer Gastgeber ist, der danach mit neuen Augen gesehen wurde. Vier Jahre später in Südafrika kamen spielerische Eleganz und Leichtigkeit hinzu. Die WM in Brasilien schließlich war der fast zwangsläufige Abschluss, gekrönt mit dem Titel. Herausgespielt von einer Mannschaft, die auch außerhalb des Platzes genau jene Werte verkörpert, die die Deutschen in den Augen des Auslands zu einer anderen Nation als früher machen. Keine Spur von Häme oder Großmannssucht nach dem berauschen Sieg über die Brasilianer, sondern Verständnis für die große Trauer der Gastgeber. Vielleicht auch, weil wichtige Spieler der deutschen Elf selbst ausländische Wurzeln haben. Jerome Boateng, Mesut Özil, Sami Khedira - von jedweder Deutschtümelei sind sie meilenweit entfernt. Sportler sind Vorbilder, vor allem Jüngere eifern ihren Idolen nach. Jogi Löws Jungs haben es verstanden - auch als millionenschwere Profis -, diese Funktion nahezu perfekt auszufüllen. Die Spieler und ihr Trainer haben ihr Ziel nicht als Einzelkämpfer, sondern als Team, als solidarisches Kollektiv erreicht. Mit Beharrlichkeit, Willen, hohem Können und viel Spaß an der Sache. Allen Nörglern, die hinter der Begeisterung für diese Mannschaft schon wieder deutschen Größenwahn aufblitzen sehen, sei die Frage - frei nach Per Mertesacker - gestellt: Was wollt ihr eigentlich?

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