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Südwest Presse: Kommentar zu Erdogan

Ulm (ots) - Die Verzweiflung in der Türkei muss groß sein. Zumindest bei Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Der hatte in der Nacht auf Freitag den Kurznachrichtendienst Twitter in seinem Land abschalten lassen. Ein ziemlich hilfloser Versuch, die Regierungsgegner im Land mundtot zu machen. Der Einfluss sozialer Medien auf das politische Geschehen scheint Erdogan in Angst zu versetzen. So hatten auch Protestler in Ägypten Twitter, Facebook und Co. erfolgreich dazu genutzt, den Widerstand voranzutreiben. Regierungsgegner in der Türkei nutzen nun den Dienst, um sich zu organisieren. Dem durch eine Reihe von Korruptionsvorwürfen in Bedrängnis geratenen Erdogan sind diese neuen Medien ein Dorn im Auge. "Mit der Wurzel" wolle er den Dienst ausreißen, hatte er vor tausenden jubelnden Anhängern gesagt. Ein naiv anmutendes Vorhaben. Wer glaubt, die Macht des Internets mit dem Abschalten eines einzelnen Dienstes eindämmen zu können, irrt gewaltig. VPN-Tunnel, Apps, SMS - wer sich in der digitalen Welt bewegt, kennt genügend Twitter-Alternativen. So ist es kein Wunder, dass schon kurz nach dem Zensurversuch in der Türkei wieder munter gezwitschert wurde. Inklusive Häme für Erdogan. Wer soziale Medien sperrt, beschneidet das Meinungsrecht der Menschen massiv. Das war bisher nur von Ländern wie China oder Iran bekannt. Zu einem EU-Beitrittskandidaten aber passt das nicht.

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