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Südwest Presse: Kommentar zum WULFF-FREISPRUCH

Ulm (ots) - Das Urteil war glasklar: Richter Frank Rosenow unterdrückte gestern auch den leisesten Zweifel am Freispruch Christian Wulffs. Der Ex-Bundespräsident sei "uneingeschränkt unschuldig", betonte Rosenow. Es ist endlich Recht gesprochen - ist damit auch der Schlussstrich unter die Affäre Wulff gezogen? Juristisch in jedem Fall und die Hannoveraner Staatsanwaltschaft sollte nicht den Fehler machen, das Verfahren durch eine Revision in die Länge zu ziehen. Die Frage, ob sich Wulff nun für den Gegenwert von 720 Euro zu Gefälligkeiten hat hinreißen lassen, ist letzten Endes unerheblich. Es geht um Moral in der Politik und den Umgang mit dem höchsten Amt im Staate. Hier helfen keine Paragrafen, hier geht es um das Gefühl für Anstand. Wollen wir Politiker, die sich von Unternehmerfreunden das Eigenheim finanzieren lassen, dies aber verschweigen? Die mit der Ehefrau in Anwesen von Topmanagern logieren, sich dort wochenlang aushalten lassen? Und die sich dann über die Reaktion der Medien wundern und sie beschimpfen? Das Amt des Bundespräsidenten hat all das nicht verdient und deshalb bleibt Wulffs Rücktritt gerechtfertigt. Doch im Urteil von Hannover liegt für den CDU-Politiker auch eine Chance. Er wolle sich "wieder der Zukunft zuwenden", sagte Wulff gestern. Als ein starker Bundespräsident a.D. hat er es selbst in der Hand, seine verlorene Ehre wiederzugewinnen. Es wäre ihm und der Politik zu gönnen.

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