Südwest Presse: Kommentar zu Rezeptdaten

Ulm (ots) - Noch harrt der Spähskandal um den US-Geheimdienst NSA seiner Aufklärung, da schreckt der nächste Datenmissbrauch die Deutschen auf: Millionen Rezeptdaten sollen verhökert worden sein - ausgerechnet an einen Händler jenseits des Atlantik. Das ist empörend, doch so richtig verstören kann es nicht mehr. Was ans Licht gekommen ist, gehört längst zu einem bewährten System, mit dem sich viele Unternehmen die Taschen füllen: Das Wissen um unsere Interessen, unsere Schwächen und nun auch um unsere Krankheiten sind bares Geld wert - als Grundlage für Werbung, Beratung, Service. Die Ausreden jener, die ihr Geschäftsmodell auf den Verkauf immer detaillierterer Informationen über das Leben eines jeden Einzelnen stützen, sind dabei stets die gleichen: Alles anonym, nicht persönlich zuzuordnen und bestens verschlüsselt. Davon sollte sich niemand täuschen lassen. Denn das Ganze krankt an grundsätzlicher Stelle: Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung wird im Namen des Profits immer dreister ignoriert. Kann jeder in seinem Konsumverhalten noch Einfluss nehmen, wer was über ihn weiß - und sei es um den Preis vollständiger Versand- und Rabattabstinenz -, so endet diese Freiheit spätestens bei Behörden- und Gesundheitsdaten: Niemand entscheidet sich, krank zu sein oder ein Rezept zu erhalten. Die Konsequenz muss ein Verbot des Handels mit derart sensiblen Daten sein.

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Südwest Presse
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