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Südwest Presse: KOMMENTAR zu· RAF-PROZESS

Ulm (ots) - KOMMENTAR zu· RAF-PROZESS

Ausgabe vom 07.07.2012

Michael Bubacks Wunsch, den Mörder seines Vaters zu entlarven und bestrafen, ist sehr verständlich. Vor allem auf seine Hartnäckigkeit geht der vermutlich letzte große RAF-Prozess zurück. Doch er endet mit einem für alle Beteiligten unbefriedigenden Ergebnis. Es gibt, der Sohn des 1977 erschossenen damaligen Generalbundesanwalts muss es trotz allen Ermittlungseifers zur Kenntnis nehmen, keinen Beweis dafür, dass Verena Becker selbst die Täterin war. Auch für Bubacks Vermutung, dass der Verfassungsschutz seine Hände verschleiernd im Spiel hatte, um eine Kronzeugin zu schützen, wurden keine Beweise erbracht. Die konkreten Umstände des Buback-Mordes bleiben unaufgeklärt. Das ist bitter, jedoch kein Sieg für die angeklagte Ex-Terroristin Becker. Zum einen, weil sie wieder ins Gefängnis muss, wenn auch nur für Monate. Zum anderen, das wiegt schwerer, weil der Prozess ihr erneut vor Augen geführt haben muss, dass sie in jungen Jahren einen Irrweg eingeschlagen und nicht nur das Leben anderer Menschen zerstört hat, sondern auch ihr eigenes. Bleibt wenigstens der Rechtsstaat als Gewinner? 97 Prozesstage, 165 Zeugen, 25 000 Aktenseiten für die völlig überraschungsfreie Erkenntnis, dass Verena Becker eine RAF-Führungsfigur war, die auch über die Mordtaten mitentschied - Aufwand und Ergebnis dieses Verfahrens stehen in einem krassen Missverhältnis.

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