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Südwest Presse: LEITARTIKEL · TV-RECHTE

Ulm (ots) - Viel Lärm um nichts

Die Entscheidung über die Vergabe der Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga sorgte gestern für kollektives Aufatmen und zufriedene Gesichter. Das Wichtigste vorweg: Für die Fußball-Fans bleibt alles beim Alten. Es war also viel Lärm um nichts. Sämtliche im Vorfeld dargestellten Horrorszenarien wurden abgewendet. Die "Sportschau" lebt ebenso wie "Das aktuelle Sportstudio" weiter, Sky-Kunden können auch künftig live mitfiebern. Damit ist das Gros der Fußball-Anhänger zufrieden gestellt. Für die Liga hat sich die Ausschreibung richtig gelohnt. Der Bezahlsender Sky griff tief in die Tasche, um den Konkurrenten Telekom auszustechen. Das Gesamtvolumen des Rechtepakets für vier Spielzeiten beträgt 2,5 Milliarden Euro, die Liga generiert künftig 628 Millionen Euro pro Jahr. "Ein Quantensprung für die Bundesliga", nannte Ligapräsident Reinhard Rauball die 52-prozentige-Steigerung. Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß jammert seit Jahren, dass die TV-Rechte in Deutschland zu billig sind. Klubs der anderen europäischen Top-Ligen hätten durch die Mehreinnahmen einen Vorteil gegenüber deutschen Vereinen, weil dort die Pay-TV-Sender deutlich mehr auf den Tische legen. Entsprechend sprach Bayern-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge gestern von einem "Meilenstein in der Geschichte der Bundesliga". Trotzdem hechelt München hinterher. In der vergangenen Saison bekam der Rekordmeister als Anteil an den TV-Einnahmen 29,96 Millionen Euro. In Spanien, wo sich die Klubs selbst vermarkten, kassierten Real Madrid und Barcelona gemeinsam mehr als 300 Millionen Euro. Das sind selbst für die Bayern Welten. Bei Sky war man beruhigt, dass die für den Bezahlsender so überlebenswichtigen Fußball-Rechte nicht an die Konkurrenz gegangen sind. Der Preis war fast Nebensache angesichts der drohenden Abo-Kündigungen im Falle eines Verlusts der Live-Spiele. Die Telekom war bis an die finanzielle Schmerzgrenze gegangen, trotzdem wurde das Bonner Unternehmen deutlich überboten. Das zeigt, wie wichtig die Rechte für den Pay-TV-Sender sind. Aber selbst der vermeintliche Verlierer Telekom ist nicht ganz aus dem Rennen. Mit Sky will man über die Internet-Rechte verhandeln, um das Angebot "Liga total" zu retten. Dass die öffentlich-rechtlichen Sender weiterhin auf die Klassiker "Sportschau" und "Das aktuelle Sportstudio" setzen können, lassen sich auch die gebührenfinanzierten Sender ordentlich was kosten. 110 Millionen Euro pro Jahr bezahlt die ARD für die "Sportschau", 20 Millionen ist dem ZDF "Das aktuelle Sportstudio" wert. Hinzu kommen noch etliche Millionen für Champions League (ZDF), Fußball-WM und -EM (ARD/ZDF). Angesichts dieser exorbitanten Ausgaben, die mittels GEZ-Gebühren zwangsweise von allen Zuschauern mitfinanziert werden, gibt es doch Verlierer. Den kleineren Sportarten, die deutlich im Schatten von "König Fußball" stehen, wäre eine Abwanderung der kickenden Zunft ins Bezahlfernsehen wohl nicht unrecht gewesen. Die Tendenz bei ARD und ZDF, vermehrt auf Fußball zu setzen, sorgt seit geraumer Zeit für Verärgerung bei den Sportverbänden. Basketball, Leichtathletik, Handball, die Tour de France - alles wird zur Randerscheinung. Selbst über Titelentscheidungen wird nur in Kurzbeiträgen berichtet. Die Tendenz wird sich in Zukunft wohl kaum umkehren. Den Fußball-Fans dürfte das egal sein. Sie sind froh, dass sich am Status quo nichts ändert. Der sportbegeisterte Rest, der sich nicht für Mario Götze und Co. interessiert, hat sich ja beinahe schon daran gewöhnt, dass Live-Übertragungen, wenn überhaupt, im Internet stattfinden. Insofern hat sich auch für ihn nichts geändert.

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