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Südwest Presse: Kommentar zu Organspende, Ausgabe vom 23.03.2012

Ulm (ots) - KOMMENTAR zu ORGANSPENDE

Ausgabe vom 23.03.2012 Kann man die Bürger zum Nachdenken verpflichten? Der Bundestag wagt dieses Experiment bei der Organspende. Alle zwei Jahre sollen sie sich entscheiden, ob sie im Fall ihres Hirntodes intakte Organe und Gewebe anderen Menschen überlassen. Sie können sich weiterhin frei entscheiden, müssen einer Entnahme nicht widersprechen wie in anderen Ländern. Die Reform wahrt also die Freiheit zur Organspende, will aber die Bereitschaft dafür erhöhen. Aufklärung ist deshalb die einzige Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen. Es kommt daher auf die Informationen an, die mit dem Spenderausweis den Bürgern zugesandt werden. Sie sollten alle Sachverhalte so nüchtern und wahrheitsgemäß wie möglich darstellen - vom Sterbeprozess und dem anderen Zeitpunkt, von einem Angehörigen Abschied zu nehmen, über das Feststellen und die Besonderheiten des Hirntodes bis hin zur Organentnahme. Sie müssen sehr sachlich aufzeigen, aus welcher Lage sich ein Kranker befreien kann, wenn er ein gesundes Organ erhält. Dann, nur dann könnte sich die emotional vorgetragene Hoffnung vieler Abgeordneter erfüllen, dass Menschen sich am Lebensende selbstlos verhalten und aus Nächstenliebe handeln. Völlig rational denkenden oder sehr religiösen Menschen mag der Entschluss leichter fallen. Andere müssen von einem Verfahren, das ökonomische Hintergedanken auszuschließen hat, erst überzeugt werden.

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