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Südwest Presse: Kommentar zum Thema Kinderschutz

Ulm (ots) - Am 10. Oktober 2006 kam das Jugendamt zu spät. Beamte wollten den zweieinhalb Jahre alten Kevin aus der Wohnung seines Ziehvaters holen und ihn in eine Pflegefamilie bringen. Doch sie fanden nur die Leiche des schwer misshandelten Kindes im Kühlschrank. Der Fall produzierte wochenlang Schlagzeilen wie auch wenig später die Tragödie der Lea-Sophie, deren Eltern das Kind verhungern ließen. Beide Fälle sensibilisierten die Öffentlichkeit - Politiker, Jugendämter wie Nachbarn. Deshalb ist die gestiegene Zahl an Inobhutnahmen kein Wunder und - unter diesem Blickwinkel - sogar positiv. Dieser Trend bedeutet eben nicht, dass Eltern das Wohl ihrer Kinder weniger wichtig geworden ist. Er zeigt, dass Nachbarn und Kinderärzte nicht mehr so oft wegsehen und dass der Staat seine Verantwortung ernster nimmt. Nichtsdestotrotz sind 33 710 Inobhutnahmen kein Grund zur Freude. Hinter jedem Einzelfall steckt eine tragische Geschichte. Deshalb liegt Bundesfamilienministerin Kristina Schröder richtig, wenn sie frühe Angebote für hilfsbedürftige junge Familien fordert - zum Beispiel, indem Hebammen Familien auch nach der Geburt des Kindes unterstützen. Baden-Württemberg könnte hier mit seinem Familienhebammen-Programm Anderen Vorbild sein. Denn Ziel der Politik darf nicht eine steigende Zahl an Inobhutnahmen sein. Ziel muss sein, dass sie sinkt, aber Todesfälle wie Kevin oder Lea-Sophie nicht mehr vorkommen.

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