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Südwest Presse: Kommentar zur Wehrpflicht

Ulm (ots) - Weniger Wehrdienst war nie. Sechs Monate sind es demnächst - noch weniger geht nicht, soll militärische Ausbildung überhaupt noch sinnvoll sein. Es entbehrt nicht der Ironie, dass ausgerechnet Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mit seinen Sparüberlegungen drauf und dran ist, der Wehrpflicht den Todesstoß zu versetzen. Finanzielle Zwänge allein sind zwar kein Argument, eine Institution über Bord zu werfen. Doch gesellschaftspolitisch lässt sich die Wehrpflicht kaum noch vermitteln. Der Abschied fällt schwer, aufhalten lässt er sich nicht, denn er ist überfällig. Die Bedrohung des Kalten Krieges ist seit 20 Jahren Geschichte, geänderte Einsatzrealitäten und wachsende internationale Aufgaben erfordern professionelle Verbände, kein in der breiten Bevölkerung verankertes Massenheer junger Staatsbürger, die treu für die Verteidigung ihrer Heimat einstehen. Dass ohne Wehrpflicht auch Zivildienstleistende fehlen, ist allenfalls ein Argument für einen Sozialdienst - aber keines für die Wehrpflicht. Diese Erkenntnisse werden endlich offen diskutiert. Im Tagestakt gehen die Verfechter der Wehrpflicht von der Fahne, seit gestern schlagen sich sogar Teile der CDU auf die Seite der FDP, die schon lange für eine Berufsarmee streitet. Noch regt sich Widerstand. Doch das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es das letzte Gefecht um ein überholtes Konzept sein dürfte.

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