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Südwest Presse: Kommentar zum Missbrauch

Ulm (ots) - Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger geht einen Schritt zurück: Eine Pflicht zur Anzeige bei sexuellem Missbrauch soll es auch künftig nicht geben. Was zuerst nach "Einknicken" klingt, ist eine wichtige Etappe für die Opfer. Denn sie allein müssen entscheiden dürfen, was mit ihren Offenbarungen geschieht, beziehungsweise die Eltern für ihre kleinen Kinder. Wenn eine Lehre aus dem Missbrauchsskandal gezogen werden kann, dann die, dass die Opfer und ihre Bedürfnisse absoluten Vorrang haben - auch vor einem allgemeinen Strafbedürfnis Unbeteiligter. Denn nicht sie, sondern die missbrauchten Kinder und Jugendlichen müssen die Torturen ertragen, die mit einer Strafanzeige verbunden sind. Sie müssen sich detailliert befragen lassen, oft mehrere Male, zudem wird mit einer Strafanzeige ihre Identität der Öffentlichkeit preisgegeben. Man stelle sich einmal vor, ein Kind berichtet seiner Mutter, dass ein beliebter Lehrer es immer wieder unangenehm berührt. Weit wichtiger als eine Bestrafung des Täters nach ein- oder zweijähriger Ermittlung wird für viele Kinder sein, dass die Eltern den Vorgesetzten des Täters informieren können und unmittelbare Abhilfe geschaffen wird, ohne dass das Kind bloßgestellt wird vor seinen Klassenkameraden. Nicht jedes Opfer hätte die Kraft, sich neugierigen Fragen oder dreisten Anspielungen zu stellen. Wird hier Zwang ausgeübt, erweist sich was als Maßnahme gegen Missbrauch gedacht war schnell als Knebel für die Opfer und ihre Angehörige. Und genau das darf nicht geschehen. Die Opfer entscheiden. Das gilt es zu akzeptieren.

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