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Südwest Presse: Kommentar zum Papst

Ulm (ots) - Die Sätze von Papst Benedikt XVI. lesen sich fast wie ein Befreiungsschlag: Nicht böse Mächte von außen haben die katholische Kirche in die tiefste Krise der Neuzeit gestürzt, es sind die Sünden der Kirche selbst, die sexuellen Verbrechen von Priestern und Mitarbeitern der Kirche, begangen an Kindern. Benedikt schafft mit diesen Worten Durchblick in den Nebelwolken aus Abwiegelungen und Vertuschungen, und er weist damit jene in Schranken, die Medien, die 68er Bewegung oder Homosexuelle für die Anschuldigungen gegen Papst und Kirche verantwortlich machen wollten. Das ehrliche Bekenntnis zu den Ursachen der Krise ist ein wichtiger Schritt. Benedikt formuliert es nicht nur an die Adresse des Kirchenvolks. Er mahnt damit auch seine Brüder im geistlichen Amt. Bis in höchste Stellen des Vatikan gibt es Versuche, die Vorwürfe gegen die Kirche als "unbedeutendes Geschwätz" und die Kritik an Strukturen und Papst als "Waffe gegen die Kirche" abzutun. So primitiv lässt sich bis ins Fundament zerstörtes Vertrauen nicht mehr kitten. Papst Benedikt scheint dieses verstanden zu haben. Gestern sprach er an, dass Verzeihen ohne Buße und Gerechtigkeit nicht möglich ist. Mit Worten allein lässt sich das lebendige Haus Gottes nach diesem Beben nicht mehr sanieren. Es braucht Taten - gegenüber den Opfern und zur Reform der Strukturen. Hoffentlich hat Benedikt auch dazu die Kraft.

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