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Südwest Presse: Kommentar zum Thema Tankjet

    Ulm (ots) - Vom freien Welthandel halten die USA nur so lange etwas, wie sie selbst davon profitieren. Dieser Verdacht drängte sich schon in der Vergangenheit immer wieder auf. Beim Milliarden-Auftrag für Tankflugzeuge ist er unübersehbar: Vor zwei Jahren hatte der europäische EADS-Konzern schon den Zuschlag für das Geschäft. Doch auf Druck des Konkurrenten Boeing und des US-Kongresses wurde er wieder zurückgezogen. Ein abenteuerliches Vorgehen, vorsichtig gesagt. Es wird nur dadurch noch getoppt, dass die Neuausschreibung eindeutig auf Boeing zugeschnitten wurde. Rüstungsaufträge sind besonders sensibel. Aber darum geht es in diesem Fall nicht. Schließlich ist Europa seit Jahrzehnten mit den USA freundschaftlich verbunden. Sicherheitsbedenken lassen sich schwerlich gegen die Auftragsvergabe an EADS ins Feld führen. Vielmehr hört die Freundschaft offensichtlich auf, wenn es um amerikanische Arbeitsplätze geht - und das, obwohl der europäische Konkurrent einen US-Partner hatte und in den USA produzieren wollte. Einerseits sind die USA jetzt selbst gestraft: Wenn es nur einen einzigen Anbieter gibt, kann der praktisch jeden Preis verlangen. Andererseits kann dieser mit dem Gewinn aus dem Militärbereich sein ziviles Geschäft subventionieren, wie es Boeing schon immer getan hat. Noch ein Nachteil für EADS und die Tochter Airbus. Bei dieser schamlosen Form des Protektionismus kann Europa nicht einfach zusehen. Allerdings ist die Gegenwehr schwierig, schon weil gerade Deutschland als exportstarkes Land ganz besonders von einem Welthandel ohne unfaire Beschränkungen abhängt.

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