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Südwest Presse: Kommentar zur S-Bahn Berlin

    Ulm (ots) - Es ist eine schallende Ohrfeige: "Schlampige Organisation und das Fehlen jeglicher Qualitätskontrolle" attestiert der Bericht einer renommierten Anwaltskanzlei der Berliner S-Bahn. Die gute Nachricht: Für den Prüfbericht, den die Bahn als Konzernmutter der Berliner selbst in Auftrag gegeben hat, gilt nicht das bei Gutachten verbreitete "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing", die Prüfer zeigen die Mängel deutlich auf. Die schlechte Nachricht: Statt sich seiner Verantwortung voll zu stellen, wiegelt der Konzern ab und versucht, den Herstellern der S-Bahn-Wagen die Schuld für die Misere in der Hauptstadt in die Schuhe zu schieben. Grund für die Probleme sei ein "in wesentlichen Teilen mangelhaft konstruiertes Fahrzeug" gewesen. Selbst wenn der Vorwurf stimmen sollte, darf sich die Bahn hier nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Nach dem Eisenbahn-Gesetz ist sie verpflichtet, ihre Fahrzeuge sicher zu bauen und in betriebssicherem Zustand zu halten. Genau das hat ihre Tochter, die Berliner S-Bahn, nicht getan. Bei der Wartung in deren eigenen Werkstätten wurde an allen Ecken geschlampt. Laut Gutachten sollen sogar "vielfach Anweisungen etwa der Bremsenhersteller einfach ignoriert worden sein". Das ist so gefährlich wie unglaublich. Trotz des misslungenen Entlastungsversuchs und bevor jetzt wieder über die Bahn hergezogen und die Ära Mehdorn verteufelt wird, gebührt der Bahn für ihren Mut und ihre Offenheit Respekt. Nur indem sie unabhängige Prüfer ins Haus lässt und deren kritische Berichte auch veröffentlicht, kann sie sich selbst wieder aus dem Sumpf dahin zurückziehen, wo sie hingehört: aufs Gleis.

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